Ein Jahr nach Fukushima

nuclearEs ist erst ein Jahr her, dass die Welt wie gebannt auf Japan blickte. Ein extremes Seebeben vor der Ostküste des Landes hatte im Nordosten zu stärksten Erschütterungen geführt und verbunden mit einer meterhohen Tsunami-Welle ganze Küstenbereiche verwüstet. Darunter befand sich auch das Atomkraftwerk Fukushima.

Tagelang konnte die Situation nicht richtig eingeschätzt werden. Niemand wusste, wie schlimm die Katastrophe wirklich ist. GAU oder Super-GAU?

Bis heute bleibt manche Antwort strittig: War es allein schon das Erdbeben, das für die Zerstörung des Kraftwerks ausreichte, wie die Vereinigung »Ärzte gegen den Atomkrieg« vor wenigen Tagen erklärte? War es die Verknüpfung mit der Tsunami-Welle, waren es auch verletzte Sicherheitsstandards?

Am Ende der Debatte steht immer die Tatsache, dass Naturkatastrophen nicht kalkulierbar sind, auch nicht zwischen Alpen und Ostsee.

Deutschland hat auf die Katastrophe reagiert, überaus schnell und eindeutig. Der vom Bundestag beschlossene Ausstieg aus der Atomkraft kostete acht alten Kernkraftwerken sofort die Lizenz. In der Zwischenzeit wurden die anderen Meiler auf ihre Sicherheit überprüft. Auch der so genannte Stresstest für Atomreaktoren in der Europäischen Union trägt dazu bei, atomare Gefahren zu erkennen und zu verringern.

Was letztlich zählt, ist aber nur die Abschaltung.

Noch zehn Jahre müssen wir warten, ehe alle Reaktoren in Deutschland vom Netz sind.

Zehn Jahre hoffentlich ohne Naturkatastrophen von ungeahnten Ausmaßen, von Terroranschlägen auf Reaktoren, technischen Defekten und menschlichem Versagen.

Aber was sind schon zehn Jahre? Allein in einem Jahr kann so viel passieren. Ganz zu schweigen von der Dauer der Endlagerung des Atommülls.

Uwe Naumann

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]