Alles liegen lassen und Gott vertrauen

jesus

Wer die Hand an den Pflug legt und zurück sieht, taugt nicht für das Reich Gottes.
Lukas 9, Vers 62

Der Wochenspruch ist Teil eines Konfliktgesprächs zwischen Jesus und seinen Jüngern. Sie sind auf dem Weg nach Jerusalem, eine todernste Sache. Die Jünger spekulieren vielleicht noch auf einen Siegeszug.

Aber Jesus ahnt, dass es ein Weg in den Tod wird. Er weist sie zurecht: Nachfolge gibt es nur ganz oder gar nicht. Dazugehören heißt, bereit sein, alles zu geben. Ziel ist es, Menschen für Gottes Neue Welt zu gewinnen, die jetzt schon anbricht.

Antje Hinze ist Frauenpfarrerin der sächsischen Landeskirche.

Antje Hinze ist Frauenpfarrerin der sächsischen Landeskirche.

Jesus vergleicht ihre Situation mit dem Pflügen: Pflügen ist harte Arbeit, bei der keine Hand frei bleibt. Mit ganzer Kraft wird die Pflugschar in den Boden gedrückt, um in der Spur zu bleiben. Der Boden wird aufgebrochen, um die Bodenerträge zu steigern.

Gepflügt wurde nach dem ersten Regen im Sommer, wenn der Boden weicher war. Der Boden wurde in Furchen aufgerissen. Das Ziehen und Halten, Lenken und Wenden des Pfluges war schwere Arbeit für Mensch und Tier.

Nach dem Pflügen wurde mit der Hand der Samen ausgestreut und erneut gepflügt, um den Samen mit Erde zu bedecken. Fachwissen und Erfahrung waren nötig, um den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Rücksicht auf Befindlichkeiten konnte sich niemand leisten. Alle Hände wurden gebraucht. Und dann hofften alle auf Regen.

Den Blick nach vorn gerichtet, kann der Bauer die Furche hinter sich nicht sehen. Auch den eingebrachten Samen kann er nicht mehr sehen. Rück-Sicht ist nicht möglich. Der Bauer kann nichts weiter tun als darauf zu warten und – auf Gott – zu vertrauen, dass die Saat aufgeht.

Was macht mich bereit, alles liegen zu lassen und jetzt die Spur zu ziehen? Wohin zieht es mich?

Antje Hinze

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]