Ein Jahr nach Fukushima – für Vertrauen besteht kein Anlass

Am 11. März 2011, 14:46 Uhr, löste ein Erdbeben der Stärke 9 eine Schnellabschaltung der laufenden Blöcke I bis III der Atomanlage Fukushima an der japanischen Küste aus. Sicherheitsmängel der Anlagen waren zwar jahrelang bekannt, aber von den Betreibern ignoriert worden.
Erst im Januar 2011 war die Laufzeit des seit 1971 produzierenden Blocks I um weitere zehn Jahre verlängert worden. Ab Sommer 2010 wurden im Block III auch plutoniumhaltige MOX-Elemente eingesetzt. Um 15:37 Uhr überflutete eine 14m hohe Tsunamiwelle die Anlage und zerstörte vier Blöcke.
Notstromversorgung und Kühlung der Brennelementebecken fielen aus. Um 20:30 Uhr setzte die Kernschmelze in Block I ein. Die Öffnung von Ventilen zur Wärmeableitung blieb vergeblich: in allen drei Blöcken kam es zu Explosionen und Kernschmelzen der Brennstäbe und des Reaktorkerns.
Die Atomkatastrophe wurde mit der Höchststufe 7 auf der IAEO-Skala eingeordnet, so hoch wie bisher nur Tschernobyl. Etwa 100.000 bis 150.000 Einwohner einer 30 Kilometer weiten Zone um das Kraftwerk wurden evakuiert.
Die Katastrophe setzte große Mengen Radioaktivität ins Meer und aufs Land frei – etwa 10 bis 20 % der Tschernobyl-Radioaktivität. Seltsamerweise konnte ich keine klaren Bewertungen zur Menge und zur Gefährlichkeit der Kontaminationen finden. Das Ökoinstitut veröffentlicht eine Karte mit einer Zone in nordwestlicher Richtung vom Unglücksstandort weg, in der nach deutschen Kriterien eine dauerhafte Evakuierung erforderlich wäre. Bei Wikipedia („Strahlungsbelastung Fukushima“) finden sich Angaben japanischer Behörden und Berechnungen eines österreichischen Institituts. Sind wir immer noch wie nach Tschernobyl in der Phase der Vertuschung und Verharmlosung?
Fukushima hat die Einstellung der Japaner zur Atomkraft verändert. Eine Mehrheit ist jetzt für den Ausstieg. Vor der Atomkatastrophe hatte Japan 54 Atomreaktoren am Netz, die 30 % des Strombedarfs produzierten. Anfang Februar 2012 sind nur noch drei Reaktoren am Netz, weil lokale Behörden dem Wiederanfahren nicht zustimmen. AKW decken nur noch 3 % des Strombedarfs. Bei entsprechendem politischen Willen kann selbst Japan aus der Atomenergie aussteigen!
In Deutschland hat die Atomkatastrophe von Fukushima das Grundvertrauen auch vieler Technikgläubiger dauerhaft erschüttert. Wenn solche Katastrophen in einem Hochtechnologieland wie Japan geschehen, dann ist auch bei uns nichts auszuschließen! Im Juni 2011 beschloss der Bundestag mit großer Mehrheit die Abschaltung aller Atomkraftwerke in Deutschland bis 2022.
Daher dürfen Kraftwerke zehn Jahre weiterlaufen, die grundlegende Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen. Sie hätten den EU-Stresstest zwar hervorragend bestanden aber das unter Rot-Grün neu erarbeitete Kerntechnische Regelwerk ist immer noch nicht in Kraft gesetzt. So steht zu befürchten, dass die AKWs wie nach 2001 de facto einen Sicherheitsrabatt erhalten, weil ihre Laufzeit ja absehbar sei. Den deutschen Atomkraftwerksbetreibern zu vertrauen, besteht aber kein Anlass!
Nichts gelernt haben die Regierungen unserer Nachbarländer Tschechien und Polen, die die Atomenergie ausbauen wollen. Die Tschechen wollen Atomstrom nach Deutschland exportieren und die Polen die energiepolitische Unabhängigkeit von Russland erreichen – beides schreckliche ökonomische und ökologische Irrtümer! Gegen die Ausbaupläne sollte Sachsen schon um der eigenen Sicherheit willen Widerstand leisten und unseren Nachbarn helfen, ebenfalls in die Erneuerbare Energiezukunft einzusteigen.
Dieser Artikel ist zuerst in der sächsischen GRÜNEN-Mitgliederzeitschrift Aufwind erschienen.
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