Heilsam in einer Leistungsgesellschaft

wzw_sonntag

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.
Johannes 12 Vers 24

In der Mitte der Passionszeit setzt der Sonntag Laetare (lateinisch »Freue dich!«) einen Kontrapunkt. Freut euch in der Passionszeit?

Der Wochenspruch ist eingebettet in das 12. Kapitel des Johannesevangeliums: Maria salbt Jesus mit Öl und gibt dafür ihr ganzes Vermögen aus. Jesus zieht in Jerusalem ein und die Menschen laufen zusammen, weil sie von Jesus und seinen Taten gehört haben. Ihnen sagt Jesus: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschsohn verherrlicht werde (Vers 23).

Was das Volk noch nicht weiß: Es folgt der Tod Jesu. Jesus nimmt diesen Tod in Kauf, er steht konsequent für die Liebe Gottes ein; dafür, dass die Gerechtigkeit Gottes sich durchsetzt. Er scheut kein Opfer, denn: »Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren« (Vers 25).

Mit dem bekannten Bild vom Weizenkorn soll der schwer fassbare Tod Jesu erklärt werden: Die Paradoxie des Todes als Beginn des neuen Lebens, die Bereitschaft, dieses Opfer auf sich zu nehmen. Dabei zählt nicht Leistung, sondern die Bereitschaft, sich ganz hinzugeben. Das ist heilsam in einer Leistungsgesellschaft. Freut euch!

Ja, ich freue mich, wenn ich Ziele habe, die mich bereit machen, alles zu geben. Ich freue mich, wenn ich die Möglichkeit habe, etwas geben zu können, auch wenn es mir Opfer abverlangt.

So kann Neues entstehen. So bricht Gottes Neue Welt an. So können wir hoffnungsvoll auf Ostern zugehen, mitten in dieser heillosen Welt und angesichts des Todes. Was da geschieht, ist ein geheimnisvoller und nicht erklärbarer Prozess, der neues Leben entstehen lässt. Ich spüre so etwas wie freudige Neu­gierde!

Antje Hinze

Die Autorin ist Frauenpfarrerin der sächsischen Landeskirche.

⇒ DER SONNTAG [Sachsen]