Der Präsident ist kein Pfarrer

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Joachim Gauck – Foto: J. Patrick Fischer

Auf einmal spielt die Konfessionszugehörigkeit des Bundespräsidenten Joachim Gauck doch eine Rolle. Zwar beeilen sich führende Politiker und Kirchenvertreter, das Thema herunterzuspielen. Er halte die Frage nach der Konfession bei Persönlichkeiten im Blick auf hohe Staatsämter in Deutschland für »hoffnungslos überbewertet«, so der katholische Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Aber allein die Tatsache, dass darüber diskutiert wird, zeigt doch eine gewisse Unsicherheit.

Früher, in der alten Bundesrepublik, war eine protestantische Doppelspitze jedenfalls undenkbar. Es galt die Regel: Wenn der Bundeskanzler katholisch ist, gehört der Bundespräsident zur evangelischen Kirche – und umgekehrt. Diese Regel hat sich längst überholt.

Doch Deutschland ist nicht protestantischer geworden, sondern entkirchlichter. Gauck wurde nicht wegen seiner Vergangenheit als evangelischer Pastor ins höchste Staatsamt gewählt, sondern weil er sich als glaubwürdig empfohlen hat.

Für die evangelische Kirche ist es sicher schön, dass sie dadurch in den Fokus rückt, profitieren wird sie davon kaum. Denn es ist möglich, dass Gauck, um sich als Präsident aller Deutschen zu erweisen, sehr bewusst darauf achten wird, nicht als Repräsentant der evangelischen Kirche zu erscheinen. Schon jetzt kommt mitunter der Vorwurf, er agiere zu pastoral.

Vermutlich wird er deshalb den Rat des Wiener Theologieprofessors Ulrich Körtner beherzigen: »Das Amt des Bundespräsidenten ist nicht die Fortsetzung des Pfarrdienstes mit anderen Mitteln, das Schloss Bellevue keine Kirche und das Rednerpult in der politischen Arena keine Kanzel.«

Ein Christ im höchsten Staatsamt bleibt er trotzdem.

Martin Hanusch

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