Der antifaschistische Widerstandskämpfer Ernesto Kroch (1917-2012) ist gestorben

Mit ihm starb einer der letzten Widerstandskämpfer gegen die NS-Barbarei und ein Mensch, der sich zeitlebens mit seiner vollen, oft unerschöpflich wirkenden Energie für die Herstellung solidarischer Verhältnisse unter den Menschen und eine gerechte Gesellschaftsordnung eingesetzt hat. Wir hatten das Glück, seine Autobiografie »Heimat im Exil – Exil in der Heimat« in unserem Verlag veröffentlichen zu dürfen (http://www.assoziation-a.de/gesamt/Heimat_im_Exil_-_Exil_in_der_Heimat.htm).

Geboren wurde Ernst Julius Kroch am 11. Februar in Breslau, früh engagiert er sich im deutsch-jüdischen Jugendbund »Kameraden«, später in der Jugendorganisation der antistalinistischen KPO, die gegen den drohenden Sieg der Nationalsozialisten die Einheit der Arbeiterbewegung propagiert. Nach der Machtübernahme der Nazis beteiligt er sich an antifaschistischen Widerstandsaktionen, wird verhaftet, wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« verurteilt und nach der Haft in das Konzentrationslager Lichtenburg verschleppt. 1937 kommt er unter der Auflage frei, Deutschland binnen zehn Tagen zu verlassen. Über Jugoslawien reist Ernesto ein Jahr später nach Uruguay aus. Seinen Eltern gelingt die Flucht nicht, sie werden von den Nazis in Auschwitz ermordet.

In seiner neuen Heimat setzt er sein politisches Engagement in der Kommunistischen Partei fort. Nach dem Militärputsch 1973 beteiligt er sich am Aufbau der Untergrundstrukturen der Metallarbeitergewerkschaft und gerät ins Visier der staatlichen Verfolgungsorgane. Vor ihrem Zugriff rettet er sich 1980 durch eine erneute Flucht – diesmal zurück nach Deutschland, das Land, das ihn einst so schmählich vertrieben hatte. Hier lernt er seine zweite Frau Eva Weil kennen, die bei amnesty international aktiv ist und sich u.a. für den inhaftierten Sohn Ernestos, Peter, einsetzt. Nach dem Ende der Militärdiktatur 1985 kehren sie gemeinsam nach Uruguay zurück. Seitdem ist Ernesto wieder in den Basisorganisationen der Frente Amplio aktiv, die zunächst die Stadtregierung von Montevideo und seit einigen Jahren auch die Regierung des Landes stellt. Kritisch, hellwach und ständig nach Verbesserungen im Alltag suchend, begleitet Ernesto diesen Prozess. Als Botschafter der sozialen Umwälzungen i n seiner zweiten Heimat war Ernesto in Begleitung Fevas im europäischen Sommer in Deutschland unterwegs, um über die Entwicklung in Uruguay zu informieren und den Austausch mit der hiesigen Linken zu suchen.

Über das Leben und die ganz eigene, unverwechselbare Art Ernesto Krochs hat Gert Eisenbürger, Redakteur der »ila« und gleichfalls ein guter Freund und Autor des Verlages, einen einfühlsamen und treffenden Nachruf verfasst, den wir zusammen mit einem Spendenaufruf für die Casa Bertolt Brecht in Montevideo, die Ernesto besonders am Herzen lag, auf unserer Website nachzulesen bitten: http://www.assoziation-a.de/dokumente/Ernesto_Gert.pdf Von Ernesto zu reden heißt für uns auch in Erinnerung zu rufen, dass in den beiden letzten Monaten vor seinem Tod zwei gute Freunde von ihm aus dem uruguayischen Exil gestorben sind: Kurt Wittenberg, Mitstreiter und Sekretär im Deutschen Antifaschistischen Komitee in Montevideo, und Magda Marcuse, die als Kind von den Nazis in die Zwangsemigration nach Uruguay getrieben wurde. Sie hatten das Land, das ihnen Asyl gewährt hatte, bis zu ihrem Tod in dankbarer Erinnerung.

Man hat das Gefühl, mit ihrem Tod ist eine Epoche zu Ende gegangen. Die Welt ist ohne sie ärmer und leerer geworden. Wir vermissen sie sehr. In der »ila«, der Zeitschrift der Informationsstelle Lateinamerika, waren anlässlich des 90. Geburtstags von Ernesto Kroch Erinnerungen an sie alle zusammengetragen, so auch an unsere Begegnungen mit Ernesto und Feva, die Treffen mit Kurt und Steffi Wittenberg, die Freundschaft mit unserer Nachbarin Magda Marcuse in Hamburg. Auch diese Miniaturen, Erinnerungssplitter ihrer ungewöhnlichen Lebenswege, sind auf unserer Website in liebevollem Angedenken online gestellt:

http://www.assoziation-a.de/dokumente/Ernesto_In_der_Welt_zu_Hause.pdf http://www.assoziation-a.de/dokumente/Wittenberg_ila.pdf http://www.assoziation-a.de/dokumente/Magda_Marcuse_ila.pdf

Sie, ihre Kinder und Enkel sind durch die Geschichte, in vieler Hinsicht gezwungenermaßen, zu Kosmopoliten geworden. Wir haben das Privileg, es aus freien Stücken sein zu können: Gleiche unter Gleichen, Freie unter Freien in der einen Welt. Um so ihr Vermächtnis zu erfüllen.

Quelle: Newsletter des Verlages assoziation a (Hamburg/Berlin)

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