Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

Internationaler Austausch – Netzwerke – JournalistInnen in der Türkei

Presse- und Versammlungsfreiheit sind Voraussetzungen für das Wirken unabhängiger Medien und einer gesellschaftlichen Willensbildung in Demokratien. Im Focus dieser Rundreise steht die aktuelle Situation von JournalistInnen in der Türkei. Menschenrechtsvereine berichten von über 11.000 politisch motivierten Verhaftungen seit den Kommunalwahlen im Jahr 2009 in der Türkei, mehr als die Hälfte davon befindet sich weiterhin in Haft. Der internationale PEN-Club beziffert die Zahl der inhaftierten JournalistInnen und SchriftstellerInnen auf über 110, mehr als in jedem anderen Land der Welt. In der von der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit 2011 rangiert die Türkei damit auf Platz 148 von 179 Ländern.

Als Gäste werden der freie Journalist Necati Abay aus Istanbul und Doğan Akhanlɩ, der in Deutschland im politischen Asyl lebt, über ihre Arbeit als Journalisten in der Türkei und in Deutschland berichten.

Necati Abay ist Sprecher der „Solidaritätsplattform für inhaftierte JournalistInnen“ (Tutuklu Gazetecilerle Dayanışma Platformu /TGDP).  Die TGDP wurde 2004 gegründet und ist ein Zusammenschluss von über 80 Gewerkschaften und Berufsverbänden von JournalistInnen und SchriftstellerInnen in der Türkei. Aufgrund seines politischen Engagements und seiner journalistischen Tätigkeiten wurde Neacti Abay mehrfach inhaftiert und mit Gerichtsprozessen überzogen. Einer der Prozesse ist juristisch immer noch nicht abgeschlossen. Er wird ausführlich über die aktuelle Lage der JournalistInnen in der Türkei berichten.

Wie Necati Abay saß auch Doğan Akhanlɩ in der Zeit nach dem Militärputsch 1980 als politischer Häftling im Gefängnis und wurde gefoltert. Er floh 1991 nach Deutschland, wurde hier als politischer Flüchtling anerkannt und später von der Türkei ausgebürgert. Seit Mitte der 1990er Jahre lebt er als Schriftsteller in Köln. Seitdem hat er sich in Romanen, Aufsätzen, Interviews und in verschiedenen Projekten immer wieder für den offenen Umgang mit historischer Gewalt und für die Unteilbarkeit der Menschenrechte eingesetzt. Mehr Informationen

Doğan Akhanlɩ wird bei den Veranstaltungen in Kiel und Hamburg über seine Erfahrungen als Autor/Journalist im Exil und über seine Verhaftung 2010 in der Türkei berichten. Dabei wird er anhand verschiedener Beispiele auf die Funktionsweise von staatlicher Willkür und Repression gegen JournalistInnen eingehen.

„Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten zu vertreten sowie Informationen und Ideen mit allen Kommunikationsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“ Artikel 19 der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" der Vereinten Nationen (Dezember 1948).

„Der Mensch ist nicht nur für das, was er sagt, sondern auch für sein Schweigen verantwortlich!“ (Aziz  Nesin)

Veranstaltungen:

Do. 3.5., Kiel, 19.30 Uhr, LiteraturhausFr. 4.5., Hamburg, 19.00 Uhr, W3 – Werkstatt für internationale Kultur und PolitikSo. 6.5., Hannover, 11.00 Uhr, Kulturzentrum PavillonDo. 10.5., Berlin, , Deutsch-Mesopotamisches Bildungszentrum e.V.Mo. 14.5., Frankfurt/a.M., 19.30 Uhr, Café ExzessMi. 16.5., Düsseldorf, 19.00 Uhr, ZAKK
Do. 17.5., Duisburg, 18.00 Uhr, Bürgerbüro "DIE LINKE"
Sa. 19.5., Ludwigshafen, 13.00 Uhr, Kurdischer Kulturverein e.V.
So. 20.05., Ulm, 14.00 Uhr, Arbeiter-, Jugend- und Kulturverein
Mi. 23.5., Nürnberg, 18.30 Uhr, Villa Leon

Veranstaltungsflyer auf Deutsch
Veranstaltungsflyer auf Türkisch

Verantwortliche und Kontakt:

Suzanne Vogel-Vitzthum (Regionalbüro Kiel, Rosa-Luxemburg-Stiftung) Telefon: 0431-2607043 – Mobil: 0172-1554769,  vogel@rosalux.de

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