Kirche ruft zum Protest gegen Neonazis

Super­intendent Matthias Bartsch rief den Runden Tisch ins Leben. (Foto: Rosenbaum)

Super­intendent Matthias Bartsch rief den Runden Tisch ins Leben. (Foto: Rosenbaum)

Plauens Pfarrer versammeln Politiker und Gesellschaft am 14. April gegen Aufmarsch

Am liebsten wäre uns, sie kämen überhaupt nicht wieder«, so fasst Superintendent Matthias Bartsch das Anliegen zusammen, das in den letzten Wochen die unterschiedlichsten Menschen in seiner Gemeinde zusammengeführt hat. Der Wunsch gilt der Gruppe »Revolutionäre Nationale Jugend Vogtland« (RNJ) und ihren Anhängern. Die Neonazis wollen anlässlich der Bombardierung Plauens im Zweiten Weltkrieg am 14. April durch die Stadt marschieren.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es einen solchen »Trauermarsch« gegeben. Knapp 200 Personen beteiligten sich; etwa 600 waren zu der Protestveranstaltung gegen den Aufmarsch der Rechten gekommen. In Plauen ist man sich einig: Das waren zu wenige.

»Sie sollen spüren, dass sie in Plauen nicht willkommen sind«, sagt der Superintendent. Damit eine breite Öffentlichkeit sich beteiligt, hat Matthias Bartsch mit seinen Pfarrern einen Runden Tisch ins Leben gerufen. Ende Februar tagte der zum ersten Mal. Alle Fraktionen des Stadtrats sind beteiligt, dazu das Jugendparlament, Vertreter aus Gewerkschaft, Wirtschaft, Kultur, Sport und Vereinen. Der Plauener Oberbürgermeister Oberdorfer (FDP) und der Landrat des Vogtlandkreises Lenk (CDU) haben die Schirmherrschaft übernommen. »Zum Teil sind das Leute, die im parlamentarischen Leben konkurrieren. Darum mussten wir zuerst gewisse Spielregeln festlegen«, erklärt Matthias Bartsch.

Grundlage der Zusammen­arbeit sind die Achtung der Menschenwürde, das Grundgesetz und der Leitsatz, dass keiner sich auf Kosten anderer profiliert.

Pfarrer Andreas Vödisch hat den Runden Tisch miterlebt. »Es war harte Arbeit, die verschiedenen Meinungen aufeinander abzustimmen. Aber es ist an der Zeit, etwas gegen das rechte Gedankengut zu tun«, sagt er. Da die Kirche eingeladen hatte, wurde der Runde Tisch von allen politischen Parteien akzeptiert.

Gemeinsame Herausforderung ist es, dass sich so viele Bürger wie möglich aus Plauen und dem Vogtland an der Aktion beteiligen. Um 11 Uhr wird es einen gemeinsamen Auftakt auf dem Altmarkt geben. Zum Erstaunen von Andreas Vödisch ist es kein Problem, die Veranstaltung mit einem Gebet zu beginnen. Danach planen die Parteien und Gruppierungen eigene Aktionen und Infostände in der Stadt.

An drei Kirchen finden Mahnwachen statt. Die Christen sind aufgerufen, sich ab 13 Uhr an einer Menschenkette zwischen der Lutherkirche und dem ehemaligen Standort der Synagoge in der Engelstraße zu beteiligen. Etwa 600 Personen werden für die 850 Meter lange Strecke gebraucht. Die Endpunkte wurden bewusst gewählt: Das Kerzenportal der Lutherkiche, gegenüber dem Rathaus, spielte 1998 bei der Friedlichen Revolution eine wichtige Rolle. Die Plauener Synagoge wurde 1938 zerstört.

Mit der Aktion soll der Geschichtsverfälschung entgegengewirkt werden. »Wir haben als Christen viel Grund, uns zu engagieren, denn Nächstenliebe verlangt Klarheit«, erinnert Superintendent Bartsch an die Aktion der Landeskirche.

Margitta Rosenbaum

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