Leiden mit der Kirche

Etwa 150 Zuhörer verfolgten und belebten die Diskussion »Pfarrhäuser in Gefahr?« in Stollberg. Ein Mitglied der westfälischen Landeskirche (links) sprach erleichtert über die liberale Regelung in seiner Heimat.	  (Foto: Steffen Giersch)

Etwa 150 Zuhörer verfolgten und belebten die Diskussion »Pfarrhäuser in Gefahr?« in Stollberg. Ein Mitglied der westfälischen Landeskirche (links) sprach erleichtert über die liberale Regelung in seiner Heimat. (Foto: Steffen Giersch)

Die sächsische Debatte um die Öffnung der Pfarrhäuser für homosexuelle Pfarrer ging in Stollberg bei einer Podiumsdiskussion weiter.
 

Bei der Diskussion in Stollberg am Donnerstag letzter Woche wurde das Leiden Homosexueller an der Kirche deutlich – aber auch das Leiden derer, für die ein homosexueller Pfarrer unvorstellbar ist. »Ausgeübte Homosexualität ist Gott ein Gräuel, wie auch Stehlen und Ehebrechen«, äußerte eine Zuhörerin und erhielt viel Applaus im restlos gefüllten Luthersaal.

Eine andere Frau sprach von Endzeitstimmung und dass Gott nicht mehr fern sei. Stimmen, die sich für eine Öffnung der Pfarrhäuser für gleichgeschlechtliche Paare aussprachen, erhielten von den etwa 150 Zuhörern ebenso viel Beifall. So gaben einige ihre anfängliche Zurückhaltung auf und äußerten ihre Meinungen. Diese emotional geführte und von verschiedenen Pfarrern der Region Stollberg organisierte Diskussion moderierte der SONNTAG-Redakteur Andreas Roth.

Auf dem Podium im Stollberger Luthersaal (v.l.): Pfarrer Gaston Nogrady, Pfarrerin Katrin Jell, Moderator Andreas Roth vom Sonntag, Oberlandes­kirchenrat Peter Meis sowie Rechtsanwalt Dan Fehlberg. (Foto: Steffen Giersch)

Auf dem Podium im Stollberger Luthersaal (v.l.): Pfarrer Gaston Nogrady, Pfarrerin Katrin Jell, Moderator Andreas Roth vom Sonntag, Oberlandes­kirchenrat Peter Meis sowie Rechtsanwalt Dan Fehlberg. (Foto: Steffen Giersch)

 
Mit Rückendeckung aus dem Publikum wurde die unausgewogene Besetzung des Podiums etwas zurechtgerückt. Denn der Markersbacher Pfarrer Gaston Nogrady setzte sich als einziger gegen den Kirchenleitungsbeschluss zur Öffnung der Pfarrhäuser für gelebte homosexuelle Beziehungen ein. Sowohl Pfarrerin Katrin Jell als auch Oberlandeskirchenrat Peter Meis, Dezernent für theologische Grundsatzfragen im Landeskirchenamt, sowie Rechtsanwalt Dan Fehlberg aus Chemnitz sprachen sich für den Kirchenleitungsbeschluss vom Januar aus. »Homosexualität bietet keinen Grund für einen Nachteil«, sagte der Jurist und berief sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland, das auch für die Kirchen gelte.

Dass Homosexuelle in den Kirchgemeinden diskriminiert werden, bestätigten viele Zuhörer aus eigener Erfahrung. Auch Kirchenaustritte habe es deshalb gegeben. »Das ist ein heikles Thema mit so viel Schmerz«, erzählte eine Zuhörerin von Erfahrungen im Umgang mit Homosexuellen in ihrer Gemeinde. »Wir sollten Homosexuelle achten, so wie es Jesus sagt: ›Ich verachte dich nicht. Aber tu es nicht!‹«, begründete die Frau dennoch ihr Nein zur Ausübung von Homosexualität.

Auch Gaston Nogrady sieht mit der neuen Regelung der Kirchenleitung »eine rote Linie überschritten«. Er fühle sich mit der Markersbacher Erklärung und der Sächsischen Bekenntnis-Initiative, die von 59 Kirchenvorständen derzeit unterstützt werde, von den Gemeinden bestätigt. »Es sind vor allem die aktiven Gemeinden des Erzgebirges«, so Nogrady.

Damit ihr Leiden nicht unerträglich werde und Kirchenaustritte drohen, forderte er: »Wir möchten nicht zu Dingen gezwungen werden, die wir nicht wollen.«

Uwe Naumann

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]