Kinderförder-Kuddelmuddel

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Es ist wie im Puppentheater bei »Des Kaisers neue Kleider«. Dort sind es die Kleinen, die zuerst spitzkriegen: Der mächtige Staatsvertreter kommt zwar pompös daher, aber er hat gar nichts an. So ähnlich ist es auch in der Familienpolitik. Beeindruckende 187 Milliarden Euro gibt die Bundesrepublik jedes Jahr dafür aus. Trotzdem werden zu wenige Kinder geboren, gilt jedes sechste Kind als arm, mangelt es an Kindergartenplätzen. Die Kleinen spüren das als erste.

Der aktuelle Streit um das Betreuungsgeld zeigt die Misere. 150 Euro monatlich sollen Eltern nach Willen von CSU und CDU erhalten, wenn sie ihr Kind in den ersten drei Lebensjahren nur zu Hause erziehen. In Sachsen gibt es so etwas als Landeserziehungsgeld bereits.

24 Bundestagsabgeordnete der CDU indes sind nun dagegen. Dabei ist die Idee hinter dem Betreuungsgeld plausibel: In den letzten Jahren blieben immer mehr Eltern nur noch ein Jahr zu Hause. Die einen, weil sie das wollen. Die anderen, weil sie müssen. Denn das ebenfalls von der CDU eingeführte Elterngeld bevorzugt Besserverdienende. Und es wird nur noch höchstens 14 Monate gezahlt. Die Wirtschaft unterstützt das, denn Elternzeit ist für sie brachliegendes Humankapital.

Familie aber ist mehr als Geld: Sie ist lebt von Zuwendung und Zeit. Familienpolitik braucht deshalb Mut, um nicht nur Flickschusterei zu betreiben. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Wohlfahrtsverbände und Wissenschaftler fordern, die zersplitterten Familienleistungen zusammenzufassen in eine Grundsicherung für jedes Kind von 502 Euro. Das würde Familien – anders als das bescheidene Betreuungsgeld – wirklich Wahlfreiheit bieten. Ein wenig zumindest.

Andreas Roth

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