Keine Überhöhung der Pfarrerfamilien

Pfarrerberuf und Familie sind nicht immer leicht zu vereinbaren. Darüber sprach Andreas Roth mit der Gleichstellungsbeauftragten der sächsischen Landeskirche, Kathrin Wallrabe.

Kathrin Wallrabe ist Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche.

Kathrin Wallrabe ist Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche.

50 bis 60 Stunden Arbeit in der Woche, oft auch am Abend und am Wochenende – und dann sollen Pfarrerfamilien noch Vorbilder sein. Können sie das überhaupt leisten?
Wallrabe: Von einer Überhöhung des Pfarrerbildes muss man sich verabschieden. Ein Pfarrer-Ehepaar mit Kindern ist eine ganz normale Akademikerfamilie mit ihren Fragen. Dazu gehören Konflikte ebenso wie Versöhnung. Ein ehrlicher Umgang damit ist besser.

Wie kann der Pfarrerberuf familienfreundlicher werden?

Wallrabe: Wir schleppen noch das romantische Bild des Landpfarrers mit Pfarrfrau und vielen Kindern mit uns herum. Heute sollten Arbeitgeber wie die Kirche Möglichkeiten schaffen, dass beide Partner berufstätig sein können – wenn sie das wollen.

Soll die Landeskirche öfter Teilzeitstellen einräumen?

Wallrabe: Wir müssen die Balance zwischen den familiären Bedürfnissen und den Ansprüchen der Gemeinden wahren und in der Stellenstruktur auf eine solche Balance achten. Es gibt einen festen Stellenplan, der die Umfänge der Pfarrstellen regelt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass eine Stelle in zwei halbe Stellen geteilt wird, wenn das gewünscht wird. Aber das ist derzeit nicht möglich.

Lässt die Landeskirche ihren Pfarrerinnen und Pfarrern genug Raum für die Elternzeit?
Wallrabe: Nach dem Ergänzungsgesetz zum Pfarrerdienstgesetz, das der Synode am Wochenende vorliegt, müssen die Pfarrer nach 18 Monaten Elternzeit mit mindestens 50 Prozent Umfang zurück in den Dienst. Andernfalls verlieren sie ihre Stellenübertragung. Ausnahmen soll es zukünftig in begründeten Einzelfällen geben, wenn die Synode dem Gesetzentwurf zum Pfarrdienstrecht zustimmt.

Haben es Frauen, die wegen Ausbildung und Erziehungszeiten später in den Beruf einsteigen, auch in der Kirche schwerer?
Wallrabe: In der sächsischen Landeskirche gibt es eine Altersgrenze von 37 Jahren für die Anstellungsfähigkeit und von 40 Jahren für eine Übernahme in ein Beamtenverhältnis. Das ist eine wirkliche Benachteiligung für Frauen, die vorher Kinder erzogen haben. Zukünftig werden in der Regel die Kindererziehungszeiten angerechnet. Kirche muss Familienfreundlichkeit auch selbst umsetzen und darf sie nicht nur bei anderen Arbeitgebern einfordern.

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