Phakathi – In der Mitte Südafrikas

Südafrikas Gesellschaft hat sich seit dem Ende der Apartheid Anfang der 1990er Jahre gewandelt. Ein Forscherteam um Prof. Peter Alexander von der Universität Johannesburg untersuchte in den vergangenen fünf Jahren den sozialstrukturellen Wandel in Soweto. Mehr als 2500 Menschen wurden zu ihren Einstellungen und Werten sowie ihren Lebensumständen, Arbeitssituation und der Ausstattung ihrer Haushalte befragt.

Die RLS Südliches Afrika, die das Projekt unterstützt hat, lud die ForscherInnen zur Präsentation und Diskussion ihrer Ergebnisse zu einem Round Table am 23.April in ihre Räumlichkeiten in Johannesburg ein.

30 Interessierte aus Gewerkschaften, Parteien, Nichtregierungsorganisationen und Medien verfolgten zunächst aufmerksam die Präsentation des Films „Phakati – Soweto’s Middling Class“. Dieser Dokumentarfilm, der die Lebenssituation von fünf Bewohnern Sowetos, die sich trotz großer sozialer Untrerschie aller zur Mittelklasse zugehörig fühlen, beleuchtet, war im Rahmen des Forschungsprogramms von der Soziologin Mosa Phadi erarbeitet worden.

Die zentrale Botschaft sowohl des Films als auch des Forschungsprojekts ist die für die Forscher überraschende Erkenntnis, die eigentlich die Bedeutung der Identität der „Arbeiterklasse“ in Soweto untersuchen wollte, dass sich fast 70% der Bewohner Südafrikas selbst als zur Mittelklasse zugehörig fühlen.

In der an die Filmpräsentation anschließenden Diskussion erklärte  Alexander nochmals die Diskrepanz dieser Selbstwahrnehmung zu ihrer Sozialstrukturanalyse auf Basis der Befragungen. Nach ihren empirischen Ergebnissen zählen knapp 50% der Bewohner Sowetos zur Gruppe der sozial deklassierten, da sie entweder arbeitslos sind oder unter Unterbeschäftigung leiden. Nur knapp 30% der  Menschen in Soweto gehen regelmäßig entweder als abhängig Beschäftigte oder Kleinselbständige einer Beschäftigung nach. 12% sind Studenten und 10 Prozent sind Rentner.

Auf die Frage aus dem Publikum was die Menschen, die sich der Mittelklasse zugehörig fühlen gemeinsam hätten, entbrannte eine interessante Diskussion. Angesichts dessen, dass über 70% der Südafrikaner nur 3000 Rand (ca. 300 €) pro Monat verdienen, sei es unverständlich, wie sich die Mehrheit der Bewohner Sowetos als Mittelklasse bezeichnen können, meinte eine der Gewerkschftsvertreterinnen.  

Verständlicher wird diese Selbsteinschätzung zieht man Daten heran, die jenseits der Einkommenssituation auch den Ausstattungsgrad der Haushalte (Hausgeräte, Autos, TV usw.) betrachten.  Eine Anfang des Jahres veröffentlichte Studie des South African Institute of Race Relations zeigt klar auf, dass Südafrikas Haushalte bei allen Unterschieden Fortschritte hinsichtlich des Ausstattungsgrades aufweisen. Als Ursache dafür wird auch die staatliche Sozialpolitik mit ihren Sozialleistungen wie Kindergeld und Pension genannt.

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