Ein Schwelbrand

Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen und die Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche Kathrin Wallrabe diskutierten über Entwicklungen in der Neonzai-Szene. (Foto: Steffen Giersch)

Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen und die Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche Kathrin Wallrabe diskutierten über Entwicklungen in der Neonzai-Szene. (Foto: Steffen Giersch)

Langfristige Arbeit für Demokratie ist wichtig im Kampf gegen Rechtsextremismus. Der Menschenfeindlichkeit der Nazis können Kirchgemeinden die Menschenfreundlichkeit Gottes entgegensetzen.
 

Neonazi-Demonstrationen, Zusammenstöße, Angriffe auf Migranten, Anschläge  – Rechtsextremismus wird in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wie eine überraschend aufschießende Stichflamme. Dabei handelt es sich um einen Schwelbrand, der sich ausbreitet, wenn er am wenigsten sichtbar ist.

Dies war die wichtigste Erkenntnis, die Teilnehmer von einem Praxistag in der Evangelischen Akademie Meißen zum Thema Menschenfeindlichkeit mitnehmen konnten. Kontinuierliches Agieren der demokratisch Gesinnten ist daher wichtiger als spontanes Reagieren, lautete das Fazit.

Es brauche Kontakte der Initiativen untereinander, aber auch ständigen Informationsaustausch. »Gleichgesinnte suchen« lautete ein Stichwort. Lobby-Arbeit gegen Rechtsextremismus auch in den Kirchgemeinden. Dazu müsse politische Bildung kommen. Denn Neonazis agieren kaum noch offen und militant, wie ein Vertreter des Kulturbüros Sachsen erläuterte. Sie gehen in Sportvereine, diskutieren lokalpolitische Themen. Statt großer Organisationen agieren lokale Kameradschaften, die sich im Internet verständigen und über Mobiltelefone blitzartige Kundgebungen organisieren.

Wenn Christen sich auf ihre religiösen Werte besinnen, könnten sie nicht nur Protestaktionen gegen Rechtsextremismus organisieren, sondern etwas Positives entgegensetzen, lautete eine weitere Erkenntnis. »Wir sollten die Menschenfreundlichkeit Gottes stärker zeigen«, meinten Teilnehmer, »und Ausländern gegenüber eine Willkommenskultur entwickeln.« Kirchgemeinden seien in dieser Hinsicht unentbehrliche Brückenbauer.

Dass es ganz entscheidend ist, wie Gemeinden und Initiativen mit kommunalen politischen Vertretern zusammenarbeiten, machten zwei gegensätzliche Beispiele deutlich. Das negative: Limbach-Oberfrohna. Dort existieren drei Bündnisse. Doch die sind sich untereinander »nicht grün«, wie ein Vertreter des »Bunten Bürgerforums für Demokratie« berichtete. Der Riss geht auch durch die Kirchgemeinde.

Das positive Beispiel: Bernsdorf bei Hoyerswerda. Dort haben Initiativen und ein CDU-Bürgermeister, der sich deutlich gegen Rechtsextremisten positioniert, Hand in Hand gearbeitet. Neben einem Jugendklub und einer Netzwerkstelle gibt es ein Mehrgenerationen-Haus mit Bildungsangeboten, berichtete eine Vertreterin. »Wir organisieren nicht Aktionen gegen Rechtsextremisten, sondern lokale Demokratiearbeit.« Das allerdings habe etwa zehn Jahre gedauert.

Fazit eines Teilnehmers: »Wir brauchen einen langen Atem.«

Tomas Gärtner

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