Piraten voraus am Kirchenschiff

© Piratenpartei Deutschland

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Es ist leicht, die Piratenpartei als eine pubertäre Ansammlung junger Männer zu sehen, die gebückt vor ihren Computern der Trinität des Gottes Internet huldigen: Alles transparent, alles kostenlos, alle dürfen mitentern. Es ist leicht, das zu schreiben, und das liegt auch an den Piraten selbst. Und dennoch wäre es ein großer Fehler. Man würde die Verschiebung übersehen, die schon lange im Untergrund unserer Gesellschaft arbeitet  – und für die Piraten nur ein Symptom sind. Nicht die Ursache.

Man kann sie Demokratisierung 2.0 nennen, und sie kam mit dem Internet. Jeder kann hier Informationen sammeln. Jeder kann hier veröffentlichen  – Wichtiges und Wirres oft eng beieinander. Erst prägt der Mensch die Technik, dann prägt die Technik den Menschen. Das Internet hat viele Menschen empfindlicher gemacht. Empfindlicher gegenüber dem Eindruck, bevormundet zu werden. Nicht ernstgenommen zu werden. Von der hohen Kanzel herab belehrt zu werden.

Hier kommt die Kirche ins Spiel. Sie lebt von Kanzeln, von der Lehre, vom Wort Gottes, das »man sich gesagt sein lassen muss«. Das wird sich im Internet-Zeitalter nicht ändern. Jesus hat die Bergpredigt schließlich den galiläischen Fischern nicht zur flüssigen Basisdiskussion vorgelegt.

Doch die Institution Kirche sollte nicht den Fehler machen, ihre Kommunikation mit der Offenbarung zu verwechseln. Sie sollte wahrnehmen, wofür die Piraten ein Zeichen sind: Dass Menschen mit ihren Fragen, ihren Bedürfnissen und auch in ihrer Kritik ernstgenommen werden wollen. Und dass schon verloren hat, wer von oben herab amtlich verlautbart.

Demut könnte eine digitale Tugend werden und die Kirche ein Vorbild darin. Sonst kentert das Kirchenschiff. Ganz ohne Piraten.

Andreas Roth

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