Kleiner werden schmerzt

Spatenstich für einen Anbau am Evangelischen Schulzentrum Muldental in Großbardau. Landesbischof Jochen Bohl (2. v. l.) zeigte sich bei seiner Visitation im Leipziger Land begeistert vom Schulkonzept. Foto: Uwe Winkler

Spatenstich für einen Anbau am Evangelischen Schulzentrum Muldental in Großbardau. Landesbischof Jochen Bohl (2. v. l.) zeigte sich bei seiner Visitation im Leipziger Land begeistert vom Schulkonzept. Foto: Uwe Winkler

 
Bischof Bohl erlebte bei der Visitation die Probleme der Dorfgemeinden im Leipziger Land

Die Kirche ist saniert, das elektrische Geläut geht erstmalig in Betrieb, die aus einer Fläche von rund 100 Quadratkilometern relativ zahlreich erschienene Gemeinde sitzt in freudiger Erwartung auf den Bischof in der Kirche: Äußerlich scheint vieles intakt zu sein in den Gemeinden des Kirchenbezirks Leipziger Land.

Der Gemeindeabend in Börln bei Dahlen konfrontierte Landesbischof Jochen Bohl am ersten Tag seiner Visitation aber auch mit zahlreichen ländlichen Problemen, denen er die ganze Woche über immer wieder begegnete.

»Das größte Problem sind die Entfernungen«, sagt Angelika Dubiel aus dem Ort Kühnitzsch, einer der vier Schwesterkirchgemeinden mit insgesamt zehn Kirchen. Außerdem werde die Gemeinde immer älter, die Menschen auf dem Land immer weniger und die wenigen Ehrenamtlichen arbeiteten an ihren Grenzen, berichtet die Kirchvorsteherin. Die Zuhörer sind zudem über mögliche Stellenstreichungen im Kirchenbezirk besorgt, die auch das Schwesterkirchverhältnis mit ihren zwei Pfarrern für rund 1600 Gemeindeglieder treffen könne.

»Wir lassen die ländlichen Gemeinden nicht allein«, sagt der Landesbischof. »Den Schmerz des Kleinerwerdens kann ich Ihnen aber nicht nehmen.« Zugleich kündigt er an, künftig weniger Menschen zur Verkündigung auf das Land schicken zu können. Die Pfarrer müssten schauen, wo Glaube entsteht, und sich auf Verkündigung und Seelsorge konzentrieren.

Die Gemeinde solle überlegen, wie die Pfarrer von der Verwaltung entlastet werden könnten. Dafür gebe es gute Ansätze, zum Beispiel bei der Sanierung von Kirchen, berichtet Jochen Bohl aus der Gemeinde Mölbis. »Dort hat die Zukunft schon begonnen«, kommentiert Superintendent Matthias Weismann, dass sich besonders Nichtchristen in Fördervereinen für Kirchen engagieren.

Sie noch enger an die Kirche zu binden, sei eine wichtige Aufgabe. Dies könne auch über die Ausbildung zum Kirchenkurator geschehen, worin der Kirchenbezirk federführend sei, so Weismann. Auch die Zahl der Lektoren und Prädikanten sei sehr gut, lobt der Bischof.

Einer der letzten Termine bei der Visitation ist die Kirchenbezirkssynode am 4. Mai in Grimma, wo eine lebhafte Diskussion zur Stellenkürzung geführt wird. Mit knapper Mehrheit entschied die Synode, dass im Leipziger Land ab 2014 im Bereich der Kirchenmusik 0,95 Vollzeitstellen und in der Gemeindepädagogik 1,12 Vollzeitstellen gekürzt werden. »Ich finde diese Situation furchtbar«, sagt der Superintendent. »Aber ich bin froh, dass der Landesbischof diese Diskussion miterleben durfte.«

Uwe Naumann

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]