Im Wissen um die Treue Gottes zum jüdischen Volk

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Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Psalm 66, Vers 20

Bei diesen Worten habe ich meinen jüdischen Freund Jehojada vor Augen. Wenn er sich auf ein Gebet vorbereitet, legt er die Teffilin, die Gebetsriemen, an und den Tallit, den Gebetsmantel, um. Die Kippa sitzt schon auf dem Kopf. Und dann beginnt er:
»Baruch adonaj – gelobt sei Gott.«

Im Judentum wird das Gebet als Dienst des Herzens bezeichnet. Die Worte der Beterin oder des Beters zu Gott sollen aus dem Innersten des Herzens kommen. Im Talmud heißt es dazu »Gott will das Herz«, weil nur hier wahre Liebe und Glaube möglich sind. Als Zeichen dessen wird einer der Gebetsriemen am linken Arm befestigt, also am Herzen.

Unsere christliche Gebetstradition hat ihre Wurzeln im Judentum. Beide Religionen beten zu dem einen Gott und doch gibt es Unterschiede.

In Israel habe ich auch viel für meine eigene Gebetspraxis gelernt. Die Vorbereitung ist mir wichtig geworden. Mein persönliches Gebet beginnt meist mit einem Lob Gottes, wie ich dies aus den Psalmen und anderen jüdischen Gebeten kenne. Daran schließe ich an, was mir persönlich auf dem Herzen liegt. Dabei fühle ich mich verbunden mit Christinnen und Christen über die Jahrhunderte hinweg.

Denn das Wissen um die Treue Gottes zum jüdischen Volk, schenkt auch mir Vertrauen und Hoffnung auf die Güte Gottes, gerade im Moment des Gebetes.

An meiner Tochter erlebe ich, wie wichtig für den Glauben das Gebet ist. Hier kann sie alles Gott gegenüber nennen und weiß sich gehalten. Daraus gewinnt sie Kraft und Selbstbewusstsein, ihren Glauben sichtbar zu leben. Das zeigt sich auch in einem Tischgebet im Restaurant. Und nicht zuletzt dazu lädt uns dieser Sonntag ein!

Angela Langner-Stephan
Angela Langner-Stephan ist Pfarrerin im Kirchspiel Leipziger Osten.

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