Wir Klimasünder

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Immerhin, im Auto-Kartenspiel ist der Klimaschutz schon angekommen. Neben Höchstgeschwindigkeit, Hubraum und PS stehen dort jetzt auch die CO2-Emissionen – wer am wenigsten hat, gewinnt. Die Kinder, die damit spielen, ahnen nicht, wie wichtig diese Ziffern für ihr Leben sein werden.

Die meisten Erwachsenen lassen ihr Verhalten nicht einmal durch solch alarmierende Berichte in Frage stellen, wie jüngst einen der Club of Rome vorlegte. Die renommierten Wissenschaftler prophezeien bis zur Mitte des Jahrhunderts: Mehr Treibhausgase bringen mehr Hitzewellen, mehr Fluten, mehr Dürren, mehr Hunger. In einem Internetportal der sächsischen Regierung sind seit letzter Woche die voraussichtlichen Folgen des Klimawandels für unsere Heimat nachzulesen: mehr Sonne, mehr Trockenheit. Immer mehr.

Schließlich wollen wir auch immer mehr. Noch immer. Mehr Urlaub, mehr Auto, mehr Technik, mehr Komfort. Das eine Mehr hängt mit dem anderen Mehr zusammen. Und noch mehr haben wir vor allem an einem: An guten Gründen dafür, unser Verhalten nicht zu ändern. Auch in der Kirche.

Das Interessante ist: Wer mit solchen Fakten kommt oder gar mit Appellen, erntet meist Augenrollen. Oder Schlimmeres. Eine Tagung der Evangelischen Akademie Meißen zum Klimaschutz musste im Mai mangels Interessenten ausfallen, eine Eingabe zum Klimaschutz an die Synode blieb unbehandelt. Es scheint Drängenderes zu geben.

Die Kluft zwischen Erkenntnis und Handeln kennt auch die Bibel. Sie nennt sie Sünde. Davon zu reden, war noch nie modern. Schön ist es auch nicht. Aber notwendig. Sonst wird es heiß. Sehr heiß. Die Hungernden, Durstenden und Vertriebenen des Klimawandels in Afrika und Asien werden nicht viel theologische Auslegung brauchen, um zu verstehen, was die Hölle ist.

Andreas Roth

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