Sachsen sucht die Superkirche

Alle für eine Kirche: Ina Metzig, Sylvia Ciesielski, Uta Fleischer, Pfarrer Christoph Rechenberg, Renate Ulrich und Marco Mäbert kämpfen im MDR-Fernsehen für das Burkhardswalder Gotteshaus. Fotos: Steffen Giersch

Alle für eine Kirche: Ina Metzig, Sylvia Ciesielski, Uta Fleischer, Pfarrer Christoph Rechenberg, Renate Ulrich und Marco Mäbert kämpfen im MDR-Fernsehen für das Burkhardswalder Gotteshaus. Fotos: Steffen Giersch

 
Die Burkhardswalder spielen im MDR um Geld für ihre Kirche – ob Christen oder nicht

Seit Wochen ist das beschauliche Alltagsleben von Burkhardswalde in ungewohnter Bewegung. Fernsehteams durchstreifen den Ort, beraten sich mit den Bewohnern. Es geht um die Kirche, die hoch oben am Hang über dem Ort in einem Seitental der Triebisch mit ihrem riesigen, schiefergedeckten Dach thront – mit über 540 Jahren eine der ältesten im Kirchenbezirk Meißen.

Die Kirchgemeinde, die hier ganze 60 Mitglieder hat, steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Hundert Sachsen-Fans und drei Spieler muss sie am Pfingstmontag nach Zwickau schicken. Die sollen dort bei der »Mach-Dich-ran«-Show des MDR-Fernsehens mit Kirchen-Teams aus Sachsen-Anhalt und Thüringen um viel Geld wetteifern: 50.000 Euro für den 3. Platz sind ihnen sicher, als Sieger bekämen sie 300.000 Euro von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler der EKD.

Das Geld wird dringend gebraucht. Christoph Rechenberg, als Pfarrer von Röhrsdorf auch für diesen Ort zuständig, zeigt auf den Turm über dem Westportal. Das Dach ist alt, Putz bröckelt von der Fassade, Risse sind zu sehen. »Die Pfeiler haben keine Abdeckung. Da läuft ständig Regenwasser rein.« In den gotischen Maßwerkfen­stern des Chores ist das provisorische Fensterglas zerbrochen.

Ihre Kirche müsse für die Nachkommen erhalten bleiben, meint Renate Ulrich. »Ob einer glaubt oder nicht, spielt da keine Rolle.« Sie als Kirchgemeindeglied hilft deshalb mit im 20-köpfigen Vorbereitungsteam.

Uta Fleischer, die Leiterin der Grundschule und selbst Gemeindeglied, malt mit ihren Schülern auf dem Schulhof Werbebanner für die Spielshow. Seit Jahren kommen sie zu Erntedank und vor Weihnachten in die Kirche. »Viele kennen keine Kirche von innen. Aber ob man Christ ist oder nicht, das gehört zur Allgemeinbildung.«

Ina Metzig hat die Organisation im Team übernommen. Mit anderen zusammen hat sie T-Shirts für die Fans von Burkhardswalde bedruckt. Auf der Suche nach Möglichkeiten für Werbung hat sie zum ersten Mal bei Corina Liebmann in der Nachbarschaft geklingelt. Die Grafikerin hat eine Werbeagentur in Dresden. Zur Kirchgemeinde gehört sie nicht, aber »jetzt gibt sie zweihundert Prozent«, erzählt Ina Metzig.

»Ich mische bei der Vorbereitung bewusst Alteingesessene und Zugezogene«, erzählt Marco Mäbert, stellvertretender Kirchenvorstandsvorsitzender. Jahrelang haben die meisten ihr eigenes Ding gemacht. So viel miteinander geredet wie jetzt haben sie lange nicht.

Gebraucht wird jeder. Zweihundert, besser dreihundert Menschen möchten die Fernsehleute am Pfingstmontag im Dorf mitfiebern sehen. Und das bei 204 Einwohnern. Verköstigen will die Georg Heidig. Der baut gerade den mehr als 360 Jahre alten historischen Gasthof zu einem Therapieheim für entwöhnte Suchtkranke aus. Davor soll die Bühne stehen.

Tomas Gärtner

Die Spielshow »Mach Dich ran« ist am Pfingstmontag ab 19.50 Uhr im MDR-Fernsehen zu sehen.

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