Ökumenische Scharmützel

© Katholikentag Mannheim

© Katholikentag Mannheim

 
Vom 98. Katholikentag in Mannheim bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Zum Zerreißen gespannt erscheint die katholische Kirche in Deutschland – zwischen dem vielfachen Wunsch nach Reformen und der beharrlichen Rückwärtsgewandtheit des Papstes.

Doch auch ein schärfer werdender Ton gegenüber den protestantischen Kirchen wirkt verstörend. Der katholische Schriftsteller Martin Mosebach behauptete, dass nicht der DDR-Atheismus, sondern bereits Martin Luther mit der Schwächung des christlichen Glaubens im Osten Deutschlands begann.

Kurz vor dem großen Reformationsjubiläum fühlt man sich in die konfessionellen Schützengräben der Lutherzeit zurückversetzt. Und es ist anzunehmen, dass Mosebach nur ausspricht, was viele konservative Katholiken denken: Wären wir alle noch einträchtig beieinander unter den Fittichen des Papstes, stünde es heute nicht so schlecht um die Kirchen.

Alle Abspaltung von der einen heiligen römischen Kirche gilt vom erzkatholischen Standpunkt als Verweltlichung, als Selbstauflösung und Schwächung des Christen­tums.

Mosebachs Thesen sind eine Zumutung. Sie proklamieren in der Befolgung einer Forderung Benedikts XVI. einen Rückzug aus der Welt. Fragen und Nöte dieser Zeit sollen abprallen an den dicken Kirchenmauern, hinter denen man sich mit altlateinischen Messen vor der Unbill der neuen Zeit verstecken möchte.

Doch es könnte sein, dass man nicht nur den Zeitgeist und die weltliche Versuchungen aussperrt, sondern auch Jesus selbst. Ihm ging es ganz sicher nicht um eine entweltlichte Kirche. Nicht um Abgrenzung und Schuldzuweisungen, sondern um Gnade und gegenseitiges Annehmen war es ihm zu tun.

Stefan Seidel

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