Gott als Stadtgespräch

Stadtgespraech

Chemnitzer Christen wollen mit der Aktion »Gott kennen« Klischees durchbrechen

Wer demnächst in der Chemnitzer Fußgängerzone einen Mann sitzen sieht, der in der einen Hand eine Geldschüssel hält und in der anderen ein Schild mit der Aufschrift »Bitte bedienen Sie sich«, sollte sich nicht wundern. Denn seit Himmelfahrt findet in Chemnitz die missionarische Stadtaktion »Gott kennen« statt. Gott soll dabei zum Gesprächsthema werden und dafür wollen die Veranstalter größtmögliche Aufmerksamkeit erregen – etwa, indem sie Passanten beschenken, indem sie als christlicher Flashmob im Kaufhaus »Großer Gott, wir loben dich« singen. Oder indem sie verschmutzte Straßen kehren.

»Wir Chemnitzer Christen wollen wahrgenommen werden als Menschen, die nicht nur fromme Sprüche machen, sondern auch praktisch der Stadt Bestes suchen«, sagt Tilo Reichold, Leiter des Chemnitzer Missionsrings und einer der Organisatoren von »Gott kennen Chemnitz«. Das missionarische Projekt ist bisher nur in der Schweiz ausprobiert worden. Nun hat das ehemalige Karl-Marx-Stadt, wo etwa vier von fünf Menschen konfessionslos sind, wieder eine Pionier-Rolle.

Mitveranstalter neben dem freikirchlich geprägten Missionsring sind auch landeskirchliche Gemeinden wie die Luther-Gemeinde Chemnitz. Deren Pfarrer Jens Oehme sagt, »Gott kennen« richte sich an Menschen, »die an religiösen Fragen interessiert, auf der Suche sind«. Das Beschenken etwa soll vom Gott der Liebe künden.

Das Herzstück des Projekts, auf das alle Aktionen hinweisen wollen, ist aber die Internetseite. »Hier können Menschen ihre Sinn-, Glaubens- und Lebensfragen stellen«, sagt Oehme. Die Anonymität des Internets erleichtere dabei Außenstehenden, Kontakt mit Christen aufzunehmen. Tilo Reichold hofft damit auch Menschen zu erreichen, die Gott und Kirche bislang eher mit »Klischees wie Moral oder Drohung« in Verbindung gebracht hätten.

Die Internetseite will Klischees durchbrechen, indem sie Gott in einem »Liebesbrief Gottes« aus biblischen Zitaten vorstellt. Und indem Chemnitzer per Video ihre persönliche Glaubensgeschichte erzählen.

Während die Aktionen von »Gott kennen Chemnitz« am 10. Juni enden, soll das Projekt online weitergehen. Die Internetseite solle langfristig »die Plattform der Chemnitzer Chri­sten werden, auf die sie in Glaubensgesprächen hinweisen können«, sagt Jens Oehme. Tilo Reichold hofft, »dass sich andere Städte von uns inspirieren lassen.«

Martin Donath

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