Wurst und Würde

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Macht Euch die Erde untertan, so sprach der Schöpfer zu seinen Geschöpfen. Der Mensch ließ sich von Gott nicht lange bitten. Und kannte fortan kein Halten mehr. Er war durchaus schöpferisch darin: Erfand Fabrikhallen, in denen Tiere wie Werkstücke produziert werden, das Töten im Rekordakkord, das Zerlegen mit Kettensägen und eine glänzende Verpackung für das saubere Filet. Ob Gott, der die Tiere vor den Menschen schuf, das im Sinn hatte, als er dem Menschen die Verantwortung für die Erde übergab?

Immerhin: Der Mensch ist lernfähig, er hat das Zeug, sich selbst zu korrigieren. Das zeichnet ihn aus. In der vergangenen Woche hat die Bundesregierung ein nachgebessertes Tierschutzgesetz beschlossen. Darin werden einige tierquälerische Praktiken in Forschung, Pferdezucht und Zirkussen verboten und auch die Kastration von jungen Schweinen ohne Betäubung – freilich erst ab 2017.

Blickt man indes auf die millionenfache Qual der zukünftigen Steaks und Filets, ist das nur wenig mehr als Nichts. Und schon dagegen rührt sich in der CDU-Bundestagsfraktion Protest. Die Lobbyisten der Agrar-Industrie fürchten Wettbewerbsnachteile. Es geht um viel Geld – und die Gnade des Königs Kunde von der Kühltheke. Der verdrückt zwar gern ein Tränchen der Rührung, wenn er Bilder aus den Tierfabriken sieht. Seine Wurst aber will er billig.

Wer etwas lernen will über die Würde der Tiere, sollte sich im Internet einmal die unbetäubte Kastration eines Ferkels ansehen: Die Angst, den Schmerz, die Ohnmacht. Noch in ihrer Verletzung spiegelt sich die Würde, die der Schöpfer den Tieren mitgegeben hat.

Der Mensch aber dreht sie durch den Fleischwolf. Dabei hat Gott ihm gratis Gnade versprochen – nicht günstig Gehacktes.

Andreas Roth

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