Über Gott oder von Gott reden – das ist der Unterschied


Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.
Jesaja 6, Vers 3

wzw2312
Der Unterschied ist nicht zu unterschätzen: Wenn ich über Gott reden will, möchte ich sozusagen von oben auf Gott drauf schauen, ihn restlos begreifen und beurteilen können. Aber das wird mir nicht gelingen, denn ich bin Gottes Geschöpf und er ist nicht meines.

Anders, wenn ich von Gott sprechen möchte. Da bleibe ich auf meiner Ebene und erkenne an, dass Gott eben Gott ist. Doch ich bin offen für Erfahrungen, Hinweise, Aha-Erlebnisse. Das heißt nicht, dass ich Gott immer verstehe und keine Fragen hätte. Ich befinde mich aber auf einem Erkenntnis-Weg, den ich mir nicht durch Überheblichkeit verbaue. Indem der Prophet Jesaja seine Gottes-Vision erzählt, redet er nicht beurteilend über, sondern beeindruckt von Gott: Er sah ihn auf einem Thron sitzen. Engelwesen umgaben ihn und riefen »Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.«

Vermutlich ist diese alttestamentliche Bibelstelle zum Spruch für den Sonntag Trinitatis und die darauffolgende Woche gewählt worden, weil das dreifache »Heilig« als Brücke zum christlichen Dreieinigkeit-Verständnis Gottes gesehen werden kann: Der große heilige »Herr Zebaoth«, zu deutsch »Herr der Heerscharen«, ist der, der den Kosmos geschaffen hat und auch der, der uns als Mensch in Jesus nahe kommt und schließlich der, der eine Kraft dazu ist, unser Leben mit Liebe zu gestalten – kurz: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Entsprechend können wir ihn wahrnehmen und von ihm reden, wenn wir einen Blick für die Schöpfung haben, wenn uns die Jesus-Orientierung ein Anliegen bleibt und wenn wir uns immer mal eine Portion Zeit zur Ruhe und Besinnung, sprich zum Geist-Einatmen, gönnen.

Stephan Brenner
Der Autor ist Pfarrer für Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindeaufbau in Chemnitz

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