Facebook: Chance oder gefährlich?

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Zwei Bischöfe – zwei Meinungen zum sozialen Netzwerk Facebook

Facebook ist eine Chance, miteinander Kontakt zu halten – auch für Christen, meint der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm .

Ich verwende Facebook, um Interessierten ein wenig Einblick zu geben in die Aufgaben und Tätigkeiten eines Landesbischofs. Ich schreibe etwa jeden zweiten Tag einen Eintrag. Meist über Gottesdienste, Begegnungen und Ereignisse, die mich bewegen. Manchmal frage ich auch, was die Leserinnen und Leser über ein bestimmtes Thema denken. Über Privates schreibe ich so gut wie nie. Ich bin vorsichtig, was ich im Internet von mir preisgebe. Denn dass es eine Privatsphäre gibt, die auch geschützt bleibt, hat schon seinen guten Sinn. Außerdem lässt sich, was einmal im Internet veröffentlicht ist, meist nicht mehr löschen.

Bei allem, was man kritisch über Face­book & Co sagen muss – die sozialen Netzwerke bieten viele Chancen: Man kann ohne großen Aufwand einen lockeren Kontakt halten zu vielen Leuten. Mein Ziel dabei ist, die Arbeit der Kirchenleitung etwas transparenter zu machen. Fast immer kommentieren die Menschen meine Einträge. So bekomme ich rasch ein erstes Feedback von »der Basis« in der Kirche. Aber man darf die Chancen auch nicht überschätzen. Facebook ist locker und unverbindlich – wer Trost sucht, will aber ein persönliches Gespräch von Mensch zu Mensch.

Für welche Form von Kommunikation Facebook sich eignet, lernt man, wenn man es selbst ausprobiert. Und auch über die notwendigen gesetzlichen Regeln – etwa zum Datenschutz – kann man am besten dann diskutieren, wenn man die sozialen Netzwerke im Internet auch aus eigener Anschauung kennt.

Als Kirche haben wir die Aufgabe, die gute Nachricht von der Liebe Gottes weiterzugeben. Das tun wir überall dort, wo Menschen miteinander sprechen. Bei Facebook sind weltweit etwa 900 Millionen Menschen angemeldet. Sollten da unsere Stimmen als Christen und als Kirchen ungehört bleiben?

Facebook vermarktet die persönlichen Interessen – mehr Nähe schafft es nicht, meint der hannoversche Landesbischof Ralf Meister.

Wenn der Landesbischof in Facebook ist, wird auch sehr viel erwartet. Also müsste dieser Auftritt mehr bieten, als nur ein paar tagesaktuelle Notizen. Das kann ich nicht in der für mich notwendigen Qualität leisten. Die für mich wichtigen Themen kann man alle auf meiner Homepage im Gesamt-Auftritt meiner Landeskirche einsehen. Zudem erlebe ich in meinen Besuchen, dass gerade die persönliche Nähe zu Menschen als ein Geschenk und eine besondere Würdigung erlebt wird.

Faszinierend finde ich, dass in Facebook Menschen über alle Grenzen  und Distanzen hinweg in Kontakt kommen können. 

Problematisch sind die bekannten offenen Fragen des Datenschutzes und die kommerzielle Komponente dieser Kommunikation, die ja der Börsengang von Facebook klar und deutlich erkennen lässt. Das soziale  Netzwerk ist kein unbedarfter Party-Talk, sondern ein Wirtschaftsunternehmen, das meine Interessen und Neigungen permanent vermarktet.
Richtig gefährlich wird es, wenn vor allem Kinder und Jugendliche nicht zwischen echten und falschen »Freunden« unterscheiden können. Am Beispiel des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff wurde auch  die Gnadenlosigkeit des Mediums offensichtlich. Es ist leider ein Kennzeichen dieser Medien, dass sich manche Nutzer darin völlig hemmungslos aufführen.

Im Blick auf die digitalen Techniken hat sich unsere Welt in den letzten Jahrzehnten so umstürzend verändert, dass alle Perspektiven sehr spekulativ sind. Klar ist, dass sich jede Gesellschaft auf die jeweils neuen Techniken und Kulturformen einstellt. Notwendig wird es sein, dass wir diese Kommunikationskulturen so etablieren, dass sie gemeinschaftsstiftend werden und nicht zu einer digitalen Atomisierung führen.

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