Wir wollen die Spannung ertragen

Johannes Berthold ist Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes. (Foto: Steffen Giersch)

Johannes Berthold ist Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes. (Foto: Steffen Giersch)

Die Öffnung von Pfarrhäusern für homosexuelle Partnerschaften wird in Landeskirchlichen Gemeinschaften vielerorts kritisiert. Andreas Roth sprach darüber mit dem Vorsitzenden des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes Johannes Berthold.

Herr Professor Berthold, wie stark spüren die Landeskirchlichen Gemeinschaften die Auswirkungen der Entscheidung von Kirchenleitung und Synode?
Berthold:
Ich nehme wahr, dass die Fragen noch nicht zur Ruhe gekommen sind. Es gibt auch Kirchenaustritte. Hier haben wir immer gesagt, dass wir Mitglieder, die in dieser Frage die Kirche verlassen, weiter bei uns beheimaten und geistlich versorgen werden. Dahinter steht das ernste Bemühen, Menschen in ihren Gewissensentscheidungen zu schützen. Darin sind wir uns mit dem gesamten Gnadauer Gemeinschaftsverband in Deutschland einig.

Kommt es da nicht zu einer Trennung der Gemeinschaften von der Landeskirche?
Berthold:
Schon im Frühjahr 2011 haben wir gesagt: Wir werden als Leitung des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes in unserem Bereich dafür werben, der sächsischen Landeskirche als Mitglieder verbunden zu bleiben und bestehende Spannungen geistlich zu tragen und zu ertragen. Auch verstehen wir uns nach wie vor als freies Werk innerhalb unserer Landeskirche. Die neue Situation bedarf aber seelsorgerlicher Ausnahmeregelungen.

Wie viele Mitglieder sind wegen der Öffnung von Pfarrhäusern für homosexuelle Partnerschaften ausgetreten?
Berthold:
Mir sind derzeit 55 Austritte bekannt, genaue Zahlen haben wir noch nicht.

Wie lässt sich verhindern, dass die Theologie von Kirchenleitung und Landeskirchlichen Gemeinschaften weiter ausein­ander driftet?
Berthold:
Die theologischen Linien verlaufen quer durch unsere Landeskirche, die ja geistlich-theologisch in sich eine große Vielfalt birgt. Darin liegt ja ein großer Reichtum im Sinne von Ergänzung und Korrektur. In dieser Frage aber begegnen sich einander ausschließende Positionen, die kaum versöhnt werden können – höchstens in einer tieferen Einheit: In dem Versuch, dem anderen in Wahrheit und Liebe zu begegnen, ihn zu verstehen und zu ertragen, auch wenn ich denke, dass er irrt.

Kann das gelingen?
Berthold:
Ich halte viel von dem durch die Synode angeregten Gesprächsprozess, ohne ihn mit überhöhten Erwartungen zu beladen. Doch gibt es zu diesem Gespräch keine Alternative.

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]