Syriens Schmerzen

syrien2

Aus der Technik ist in den letzten Jahren der Geist der Machbarkeit in die Politik eingewandert. Waltet irgendwo ein menschenverachtendes System? Schon denkt man in der Weltgemeinschaft über eine Intervention nach. Sauber, effizient, gerechtfertigt. Dass dies ein gar nicht immer so frommer Wunsch ist, zeigen Irak und Afghanistan. Syrien zeigt nun schon vor dem ersten Schuss einer internationalen Eingreiftruppe, dass jede Gewalt von außen die Sache nur noch verschlimmert. Die Welt ist zum Zuschauen verurteilt. Ein Horrorfilm, nur leider wahr.

Die UN-Beobachter haben ihren Einsatz zwischen Regime und Opposition wegen der eskalierenden Gewalt ausgesetzt. Seitdem nehmen die Gräueltaten weiter zu. Internationale Menschenrechtsgruppen berichten von sexueller Gewalt – auch gegen Kinder. Die UNO beklagt mehr als 10 000 Tote.

Und die Welt kann nichts tun? Doch, sie kann. Dass am Dienstag endlich auch der russische Präsident Wladimir Putin ein Ende der Gewalt in Syrien forderte und auch, dass das syrische Volk demokratisch über seine Zukunft entscheiden solle, ist ein Hoffnungsschimmer. Bisher war Russland eine der wichtigsten Stützen des Regimes.

Aber ein Krieg, eine Achse des Guten gegen den Schurken Assad? Nicht nur syrische Christen warnen eindringlich davor. Nicht nur, weil sie die Bergpredigt kennen. Die verworrenen Konflikte im Nahen Osten lehren, wie Gewalt neue Gewalt gebiert. Was Christen tun können, ist, Gott um Frieden zu bitten.

Doch stellt man sich nur einen Moment die Menschen in den syrischen Folterkellern vor, die trotz aller Bitten gequält werden, kann das Gebet gefrieren. Der Geist der Machbarkeit – er ist nicht Gottes Geist. Auch das schmerzt.

Andreas Roth

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]