Verlieren, aber nicht verloren sein

867434_274789622

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen,
was verloren ist.
Lukas 19, Vers 10

Als ich in Jericho war, habe ich an ihn gedacht: Hier, irgendwo am Ortseingang, muss seine Dienststelle gewesen sein. Hier hat er seine Macht ausgenutzt und den Leuten manchmal mehr Geld aus den Taschen gezogen, als vorgeschrieben war. Trotzdem stand dieser reiche Ober-Zolleinnehmer namens Zachäus auf verlorenem Posten. Denn niemand mochte ihn.

Doch nachdem er auf den Baum geklettert war, um den vorbeigehenden Jesus auszuspähen, wurde alles anders. Und das ging so: Jesus hat ihn erblickt und gerufen: »Zachäus komm runter, ich muss mal mit dir reden, am besten bei dir zu Hause.« Dort haben sie dann gesessen und geredet, gegessen und getrunken. Da hat das Bewusstsein, ein Kind Gottes zu sein, in seinem Kopf Platz gefunden.

Zachäus hat eine Lebendigkeit gespürt, wie er sie bisher nicht kannte. Er merkte, dass er seine Gier nach immer höheren Kontoständen nicht mehr braucht und wurde bereit, diese zurückzufahren – zugunsten armer Leute und derer, die er über’s Ohr gehauen hatte. Zwar verlor er so etliche Moneten, ist vom Angeber zum Abgeber geworden. Doch er hat Freude und Freunde gewonnen. Unterm Strich kam ein großes Plus zu stehen, weil er selbst nicht mehr auf verlorenem Posten stand.

Und was sagt mir das? Auch wenn meine eigene Weste nicht blütenweiß ist, werde ich von Jesus nicht übersehen. Und wenn ich ihn zu mir kommen lasse, in meine Gedanken, Worte und Werke, kann ich möglicherweise dies und jenes verlieren, bin aber selbst nicht verloren. Für Zeit und Ewigkeit habe ich eine gute, ja regelrecht göttliche Lebendigkeitsperspektive. Der Wochenspruch, jener letzte Satz aus der biblischen Zachäusgeschichte, unterstreicht es.

Stephan Brenner
Der Autor ist Pfarrer für Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindeaufbau in Chemnitz.

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]