Auch mal Müll sammeln an der Elbe

Für Matthias Rößler ist die Elbe Heimat. Dem Präsidenten des sächsischen Landtags ist es wichtig, den Fluss so zu erhalten, wie er jetzt ist. (Foto: Steffen Giersch)

Für Matthias Rößler ist die Elbe Heimat. Dem Präsidenten des sächsischen Landtags ist es wichtig, den Fluss so zu erhalten, wie er jetzt ist. (Foto: Steffen Giersch)


Sachsens Landtags­präsident Matthias Rößler (CDU) ist Schirmherr des Elbekirchentags in Meißen. Er kennt den Fluss als Spielplatz, als Kloake, als Flut – und wunderbare Landschaft, die geschützt werden muss.

Herr Rößler, Sie leben im Elbtal, was bedeutet Ihnen der Fluss?
Rößler:
Ich bin in dem Dorf Gohlis zwischen Dresden und Meißen in einer Gärtnerei aufgewachsen und habe mit meinen vier kleineren Brüdern immer an der Elbe gespielt. Ich bin auch vertraut mit dem Biotop, wie man heute sagt. Und ich bin vertraut mit der Zeit, als die Elbe eine stinkende Kloake war – der schmutzigste Fluss Europas, biologisch tot zu DDR-Zeiten. Wir bekamen Bezugsscheine für Mineralwasser, weil das Uferfiltrat, aus dem damals das Trinkwasser gewonnen wurde, nicht geeignet war zum Kochen für Babynahrung.

Ich bin dem Fluss bis heute verbunden. Da bin ich über fünf Jahre – in meiner Zeit zwischen dem Ministeramt und meinem Amt als Landtagspräsident – jeden dritten Tag mit dem Fahrrad in den Landtag gefahren. Da habe ich wirklich alles gesehen: Eisvögel, diese wunderbare Flusslandschaft, die vielen Tiere. Jetzt jogge ich jeden Morgen an der Elbe. Ich bin diesem Fluss ganz, ganz eng verbunden. Er ist für mich Heimat.

Und deshalb haben Sie die Schirmherrschaft übernommen?
Rößler:
Ja. Und mir liegt natürlich viel daran, dass wir diese wunderbare Flusslandschaft unseren Kindern und Enkeln weitergeben – so wie sie jetzt ist. Wohl wissend, dass wir nach dem schweren Hochwasser von 2002, in dem auch mein Haus vollkommen überschwemmt war, mit dem Bau von Dämmen einiges zum Schutz der Anwohner tun müssen.

Ist die Elbe in ihrem Verlauf bedroht?
Rößler:
Nein, die Position Sachsens ist: Wir lehnen den Bau von Staustufen ab. Und wir sehen den Bau von Staustufen auf tschechischer Seite mit viel Vorbehalt und großer Skepsis. Jedenfalls ist das aus der Stellungnahme des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums zu entnehmen. Allerdings muss die Elbe schiffbar bleiben. Die Tiefe von 1,50 Meter für die Schifffahrtsrinne muss gesichert sein.

Wenn die Elbe in Sachsen nicht bedroht ist, was erwarten Sie persönlich von so einem Elbekirchentag?
Rößler:
Dass jeder Einzelne seinen Beitrag zum Schutz dieser Flusslandschaft leisten kann. Wobei ich aber auch deutlich sage: Wir müssen den Ängsten und dem berechtigten Anliegen der Anrainer Rechnung tragen und für neue Hochwasserschutzanlagen sorgen.
Es wird gewaltige Dammbauten geben. Und dafür brauchen wir dann auch Ausgleichsflächen. Bei den Baumaßnahmen werden ja auch hunderte Bäume gefällt. Die muss man an anderer Stelle neu pflanzen. Da kann ich nur an uns und alle Umweltbewegten appellieren, auch mal Ausgleichspflanzungen auf dem eigenen Grundstück zuzulassen – mit Streuobstwiesen zum Beispiel – und alle Konsequenzen wie Grundbucheintrag zu akzeptieren.

Wie bewerten Sie das Engagement der umweltbewegten Christen beim Elbekirchentag?
Rößler:
Das hat ja eine ganz lange Tradition. Ich war zum Beispiel 1989 bei unserem legendären Leipziger Kirchentag dabei. Da war ich in der Arbeitsgruppe »Bewahrung der Umwelt«. Und ich kann mich auch gut daran erinnern, als wir in Dresden gegen den Bau eines Reinstsiliziumwerkes protestiert haben. Ich bin froh, dass das so weitergeführt wird. Und ich finde es gut, dass Christen sich das Thema zu eigen machen und es mit unserem Grundanliegen, das ja aus unserem Glauben resultiert, verbinden: die Bewahrung der Schöpfung. Da kann jeder etwas beitragen, bis hin zur Brennesselecke im Garten, in der sich dann wunderschöne Schmetterlinge ansiedeln. Und noch wichtiger ist, dass wir auch unsere Kinder in dieser Richtung erziehen.

Manchmal kann man im unmittelbaren Umfeld mehr bewegen, als wenn man sich unverbindlich an großen Aktionen beteiligt, die ganz weit weg sind. Und deshalb finde ich den Elbekirchentag so gut, weil er genau das aufgreift und die Leute daraufhin anspricht: Das kannst Du, das können Sie selber leisten. Und wenn es das Müllsammeln am Elbufer ist.

Die Fragen stellte Christine Reuther

www.elbekirchentag.de

 

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