Gipfel der Enttäuschung

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»Heiße Luft gegen den Klimawandel«, so fasste eine Tageszeitung die Ergebnisse des UNO-Gipfels »Rio+20« zusammen, der in der vergangenen Woche zu Ende gegangen ist. Tatsächlich blieb die Abschlusserklärung dürftig. Weder wurden Kohlendioxid-Emissions-Grenzen für die Länder festgelegt noch ein Stopp der Abholzung für die Tropenwälder erlassen – noch wurde die weitere Subventionierung der Kohle verhindert.

Das mit so großen Hoffnungen verbundene Öko-Gipfeltreffen in Rio de Janeiro wurde ein Gipfel der Enttäuschung. Wie konnte dieser Gipfel so kläglich enden? Weil er immer noch an der Vorstellung festhielt, dass Wirtschaft wachsen muss. Die Ökonomie hat über die Ökologie gesiegt.

Wieder einmal wurde deutlich: Nachhaltigkeit und Gewinnstreben lassen sich nicht miteinander vereinbaren. Das Wirtschaftswachstum bleibt die Heilige Kuh, die keiner schlachten will. Dabei liegen die Folgen offen zu Tage. »Das aktuelle Modell des Wirtschaftswachstums ist unhaltbar; es verursacht Krisen, soziale Ungerechtigkeit und birgt die Gefahr einer Umweltkatastrophe«, sagte Michail Gorbatschow vor dem Gipfel. Auch er hatte sich von »Rio+20« wohl mehr erhofft.

So bleibt es bei der akuten Bedrohung des Lebensraums Erde, vor allem durch das nicht eingedämmte Klimagift Kohlendioxid.

Einen Lichtblick gab es dennoch in Rio de Janeiro: Beim parallel stattfindenden Völkergipfel von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen wurden solidarische Wirtschaftsformen, gentechnikfreie Landwirtschaft und alternative Energiewirtschaft vorgestellt und ausprobiert. Eine andere Zukunft ist möglich. Es könnte sein, dass sie nicht von den Politikern abhängt, sondern von jedem Einzelnen.

Stefan Seidel

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