Auf die Lebensmelodie hören

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Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.Epheser 2, Vers 8

Sie kennen das: Ob langsam anhaltend oder staccato und kurz – schwingt und klingt und singt. Der Zauber der Musik liegt in einer Melodie, die wiederkehrend sich über Höhen und Tiefen wagt. Sie spielt umspielend, begleitend, mal deutlich, mal leise, doch immer da in allen Varianten: Der cantus firmus, so das Fachwort.

Mal ist die tongebende Melodie vordergründig erlebbar, mal liegt sie unter den anderen Tönen, wird leise mitgespielt. Auf der Orgel spielt sie ihre Rolle in allen Registern.

Übertragen auf meinen Alltag klingt sie, trägt sie, die Lebensmelodie, das Thema oder besser: mein Thema – ob ich es nun wahrnehmen will oder nicht, immer wieder kommt es vor. Manchmal, wenn ich ganz genau hinhöre, spüre ich diese Melodie, und ich weiß plötzlich: Es ist das, was sich mir schenkt.

Gnade sagt Paulus dazu.

Alles ist Gnade. Gnade ist der cantus firmus. Gnade, weil ich keinen Tag leben könnte, ohne die Luft, die mich umgibt, das Wort, das du mir sagst, das Brot, das ich in den Händen halte. Gnade, weil die Blumen blühen und die Blätter grün werden ohne unser Zutun.
Gnade, weil ich Geschöpf bin, geschenkt dem Leben und vom Leben beschenkt.

Will ich die Gnade ein klein wenig festhalten, sollte ich vielleicht singen, den cantus firmus in den Varianten meines Seins – ganz gleich ob gerade in d-Moll oder in F-Dur. Die Lebensmelodie, ist mir geschenkt. Ich kann nichts hinzutun und nichts wegnehmen, aber ich kann sie singen, kann auf sie hören, und dem glauben, der die Noten dafür geschrieben hat mit zärtlicher Hand für dieses mein Leben und danach.

Beate Schelmat-von Kirchbach
Die Autorin ist Pfarrerin für Gemeindeaufbau im Leipziger Land.

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