Nichts mehr mit guter Hoffnung

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Das Verfahren mutet einfach an: Einer Schwangeren wird Blut abgenommen. Das darin enthaltene Erbgut des Kindes wird mit dem »PraenaTest«, einem neuen Verfahren, auf Anzeichen für Trisomie 21 untersucht. So lässt sich vorhersagen, ob das Kind eines mit Down-Syndrom sein wird. Keinerlei Risiko wie noch bei der Fruchtwasserentnahme, argumentiert der Hersteller. Bei der kann es in einem Prozent der Fälle zu einer Fehlgeburt kommen.

Eine Erleichterung für werdende Mütter? So scheint es auf den ersten Blick. Die Forscher kommen damit jenen Frauen entgegen, die so weit wie möglich sicher sein wollen, dass ihr Kind kein behindertes ist. Frauen hingegen, die ihren kleinen Erdenbürger wollen, ganz gleich, ob er den Vorgaben von »Normalität« entspricht, werden es künftig schwerer haben. Das Argument, die Fruchtwasseranalyse sei ein zu großes Risiko, wird man ihnen nun kaum noch abnehmen.

Längst wird die Freude auf die Geburt von Ängsten getrübt. Jeder neue Test weist auf ein weiteres Risiko. Für nicht wenige Frauen wird die seelische Last immer größer. Auf sie stürzt eine wachsende Menge an medizinischen Prognosen ein. Wer hilft ihnen, diese zu bewältigen und eine mit ihrem Gewissen vereinbare Entscheidung zu treffen? Wären nicht auch Investitionen in ein Beratungssystem auf der Höhe der Wissenschaft nötig?

Und wäre die Öffentlichkeit bereit, eine Entscheidung für ein behindertes Kind zu akzeptieren? Andernfalls würde die Ansicht, jegliches neue Leben als Bereicherung zu betrachten, bald als naive Fahrlässigkeit gebrandmarkt. Schon wird vor lebenslanger Pflegebedürftigkeit bei Down-Syndrom gewarnt. Das könnte ein erstes ernstes Zeichen sein.

Tomas Gärtner

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