Der Name am Anfang wird auch der Name am Ende sein


Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Jesaja 43, Vers 1

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Fünfzig Jahre Kinderdiakonie in Sachsen. Ein großes Fest war geplant. Ein großes Fest hat Gäste, bedeutende Gäste und solche, die viel bedeuten. Folgendes spielte sich auf der ersten Kirchenbank ab: Hier saß Tante Wonne, der Innbegriff sächsischer Kinderdiakonie. Wie viele Kinder hatte sie schon getröstet, wie viele Nasen geputzt und Lieder gesungen. Heute saß sie auf der ersten Bank. Ein wenig alt geworden und ein wenig krumm, doch voller Würde. Sie war etwas unruhig, verteidigte den Platz neben sich mit energischer Strenge, sah sich mehrmals um.

Die Orgel begann, das Gemurmel wich gespannter Stille. Und jetzt: Tante Wonne wuchs vor unseren Augen. Die Kirchentür ging auf und er kam: Der Oberbürgermeister Tiefensee. Er gehörte einst zu ihren Kindergartenkindern. Heute war er wiedergekommen – groß und bekannt. Auch ihn hatte sie begleitet, geprägt, mit dem Pflaster in der Rocktasche und dem Lied, um immer und überall von Gott zu erzählen. »Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben, ach dass wir Armen nur so kleine Herzen haben« (Johann Scheffler/Johannes Petzold, Kanon).

Ganz gleich, wie viele Momente ihr Leben kannte, dieser war einer der wichtigsten. Und Wolfgang Tiefensee erkannte seinen Platz und setzte sich rasch an ihre Seite. Die Begrüßungsszene hätte man filmen mögen. Und so wurde ganz klein, der nun groß war und groß, die kleiner geworden war.

Und die Namen, ach die Namen: die Wonne und der Tiefensee. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie wir in die Welt gerufen sind, wer uns kennt – und dass der Name am Anfang auch der Name am Ende sein wird. Und wie wir hineinwachsen werden in den Namen, der uns meint und immer einen Platz für uns besetzt hat.

Beate Schelmat-von Kirchbach

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