Schweinehund gefährdet Klima

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Es gibt ein Tier, das noch nie jemand in freier Wildbahn erspäht hat, obwohl es wahrscheinlich in jedem Menschen haust. Sein Name: innerer Schweinehund. Seit spätestens dieser Woche ist bewiesen: Er bewohnt nicht nur Individuen, sondern sogar ganze Gesellschaften, zumindest aber die Politik. Eben noch galt Deutschland der ganzen Welt als grüner Musterschüler. Doch der Musterschüler ist versetzungsgefährdet – und scheint erschlafft den Ehrgeiz zu verlieren.

Das gewaltige Projekt einer grünen Energiewende könne länger dauern als geplant, sagte der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier in dieser Woche. Das Regierungsziel einer Stromeinsparung von 20 Prozent bis 2020 werde weit verfehlt, die bis dahin geplanten eine Million Elektroautos würden wohl ein Traum bleiben. Während zu Hause der grüne Elan abflaut, hat sich die Bundeskanzlerin zumindest auf globaler Bühne für das Kämpfen entschieden. Wenn sich die Welt nicht auf strengere Zusagen zum Klimaschutz einige, drohten verheerende Folgen, sagte Angela Merkel beim Petersberger Klimadialog.

Manche Wissenschaftler halten einen Stopp des Klimawandels längst für eine Illusion. Da wittert der innere Schweinehund Morgenluft. Denn diese Ehrlichkeit lässt Druck aus dem Kessel.

Das ist gut, weil sie den klaren Blick auf die Realitäten frei macht. Das ist schlecht, weil sie zum Zurücklehnen einlädt. Schon nutzt auch Wirtschaftsminister Philipp Rößler die Gunst der Stunde und tritt im Dienste der Industrie auf die Energiewende-Bremse. Sollen doch die Ärmsten und die Natur den steigenden Meeresspiegel selbst auslöffeln. Wer das nicht will, muss Schluss machen mit dem Artenschutz – zumindest für ein Wesen: den inneren Schweinehund.

Andreas Roth

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