Ferien mit Gewinn

Vor einem Jahr hat Antonia Gerwald (r.) hier im Hort der Evangelischen Grundschule Radebeul ihre »Sterntalerzeit« verbracht. Vor ihrem Einsatz in diesen Sommerferien ist sie noch einmal zu Besuch gekommen. (Foto: Steffen Giersch)

Vor einem Jahr hat Antonia Gerwald (r.) hier im Hort der Evangelischen Grundschule Radebeul ihre »Sterntalerzeit« verbracht. Vor ihrem Einsatz in diesen Sommerferien ist sie noch einmal zu Besuch gekommen. (Foto: Steffen Giersch)

Antonia Gerwald aus Radebeul hat bei der Aktion »Sterntalerzeit« Kinder betreut

Bislang war Antonia Gerwald immer diejenige, um die sich die Erwachsenen kümmerten. Dann hat die Schülerin einer 9. Klasse des Radebeuler Gymnasiums Luisenstift die Rolle gewechselt. Eine Woche lang hat sie im Hort der Evangelischen Grundschule Radebeul Kinder betreut. »Ich habe mit den Kindern gespielt, Musik gemacht und auf sie aufgepasst«, erzählt sie. »Und habe in dieser Zeit eine Menge gelernt im Umgang mit Kindern. Ich bin offener geworden. Das könnte im Berufsleben mal nützlich sein.« Ob sie später in die Sozialarbeit gehen wird, kann sie heute noch nicht sagen. »Zumindest habe ich mal reingeschnuppert.«

Antonia Gerwald gehört zu den fast 2000 Schülerinnen und Schülern, die in den zurückliegenden fünf Jahren eine oder zwei Wochen ihrer Sommerferien für ein Praktikum in Sozialeinrichtungen der Diakonie in Sachsen verwendet haben. »Sterntaler­zeit« nennt sich die Aktion, die im Osten Deutschlands einmalig ist. Am 23. Juli startet sie zum sechsten Mal. In 141 ihrer Einrichtungen stellt die Diakonie insgesamt 1224 Plätze zur Verfügung. Wählen können die Jugendlichen zwischen Kindergärten, Altenpflegeheimen, Sozialstationen, Familienzentren, Werkstätten und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen oder für Suchtkranke.

Bewerben können sich Schüler der 8. bis 12. Klasse. Zu 80 Prozent sind es Mädchen. »Das spiegelt exakt die realen Verhältnisse wider«, sagt Diakoniedirektor Christian Schönfeld. »Im Sozialbereich sind mehrheitlich Frauen beschäftigt.« Diese eine Ferienwoche sei für die Jugendlichen eine Zeit, in der sie Erfahrungen sammeln. Für manche könne das bei der Berufsorientierung hilfreich sein.

Obwohl die Praktikanten betreut werden müssen, profitiere die Einrichtung von ihnen, meint Daniel Röhrich, Hortleiter in der Evangelischen Grundschule Radebeul. »Jeder Schüler zusätzlich ist ein Gewinn für unsere Kinder.« Die Schüler bekämen Aufgaben, für die den Mitarbeitern keine Zeit bleibe.

Antonia Gerwald hat die Arbeit voriges Jahr gut gefallen. Deshalb will sie sich in den Ferien erneut ausprobieren – in einem Kindergarten der Kinderarche Sachsen.

Tomas Gärtner

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]