Mit der Bibel in der Hand vor der Ausländerbehörde

willkommen

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2, Vers 19

Fereshteh – ist ein persischer Name und heißt übersetzt: Engel. Als Fremde kam sie vor ein paar Jahren in unser Land. Eines Tages brannte das Haus, in dem sie mit anderen »Fremdlingen« übergangsweise wohnte, vollständig ab. Sie hatten ohnehin nicht viel, doch davon blieb nun nichts mehr. Auf dem Trümmerhaufen aller Vorläufigkeit stand sie nun. Sie suchte nach etwas, das vielleicht übrig geblieben war. Ganz zufällig fand sie eine kleine weiße Bibel in persischer Sprache.

Ein fremdes Buch in vertrauter Schrift. Und sie hat darin gelesen, immer wieder.

Heimat zu verlieren, das heißt fremd sein und bleiben. Und es ist ein langer Weg, bis sich alles wieder neu ordnet. Mit der kleinen weißen Bibel machte sich Fereshteh auf den Weg. Geführt von den Worten aus der Wahrheit im Herzen und von ihren Träumen.

Vor der Ausländerbehörde in Chemnitz holte sie die Bibel wieder hervor. Dem Mann, der ihr im blauen Nadelstreifenanzug gegenüber saß, erzählte sie ihre Geschichte so, als ob sie ihm als Fremde die Heimat erklärt. Und sie fand Worte dafür, was ihr der christliche Glaube in unserem Land bedeutet. Er legte den Stift aus der Hand und hörte ihr zu. Dann schrieb er und notierte einen Vermerk in seine Akte.

Sie konnte bleiben, zumindest vorläufig. Sie war nun nicht mehr nur Gast, sondern Mitbürger und sie war so froh: Ein ganz anderes, neues Leben konnte nun für sie beginnen.

Eines in mehr Sicherheit und eines in mehr Freiheit.

Was uns birgt, gibt uns eben jenen Raum, den Paulus als Haus beschreibt, ein Haus, in dem Gott wohnt und wir mit ihm.

Beate Schelmat-von Kirchbach

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