Macht hoch die Kirchentür

Hans-Jürgen Turowski (li.) führt Besucher durch die Kirche Lampertswalde (Leisnig-Oschatz). Die Kirche mit ihrer täglich geöffneten Pilgersakristei liegt am ökumenischen Pilgerweg. (Foto: Thomas Barth)

Hans-Jürgen Turowski (li.) führt Besucher durch die Kirche Lampertswalde (Leisnig-Oschatz). Die Kirche mit ihrer täglich geöffneten Pilgersakristei liegt am ökumenischen Pilgerweg. (Foto: Thomas Barth)

Ehrenamtliche halten einige Kirchen für Besucher offen – doch die meisten bleiben zu

Etwas abseits der Hauptstraße und eher unscheinbar liegt die Leipziger Gethsemanekirche im Stadtteil Lößnig. Die Türen stehen weit offen für Besucher, der Lärm von Straßenbahnen und Autos schafft es nicht hinein. Drinnen, in der Stille der kleinen Dorfkirche von 1877, sitzt ein junger Mann in der Bank und hält andächtig inne. Nach wenigen Minuten kommt er wieder heraus und schwingt sich auf sein Fahrrad.

»Ich bin zufällig hier vorbeigekommen und habe gesehen, dass die Kirche offen ist«, sagt der Leipziger. Seit vielleicht 20 Jahren sei er nicht mehr in dieser Kirche gewesen, nun habe er die Chance für eine andächtige Pause genutzt.

Dass die Türen der Kirche nachmittags offen sind, ist diesmal Regina Bielo zu verdanken. Sie ist eine von vielen Ehrenamtlichen der Kirchgemeinde Connewitz-Lößnig, die seit mehreren Jahren das Gotteshaus öffnen, aufpassen und Besuchern Fragen beantworten. Viele Leute kämen zwar nicht herein, sagt die 70-Jährige, aber die Menge sei nicht entscheidend.

Die Gethsemanekirche ist eine von 13 Kirchen im Kirchenbezirk Leipzig, die zwischen April und Oktober regelmäßig offen sind. Manchmal weist auch ein weiß-blaues Signet am Eingang auf die »verlässlich geöffnete Kirche« hin. Doch die meisten evangelischen Kirchen bleiben außerhalb der sonntäglichen Gottesdienste zu.

»Die Ängste vor Zerstörung und Missbrauch sind bisher zu groß«, sagt Henning Olschowski, Pfarrer in der Kleinstadt Mutzschen. Um die Kirche länger für Gäste zu öffnen, bräuchte es Ehrenamtliche, die aufpassen – und den Willen der Kirchgemeinde. Die aber habe sich vor ein paar Jahren dagegen entschieden, sagt der Pfarrer.

»Unsere Kirche ist auch nicht so attraktiv«, meint Olschowski. Gelegentlich kämen aber Leute, die im Pfarramt nachfragen, ob sie in das Gotteshaus schauen könnten.

Dieses Interesse an der Kirche und die Ängste vor Diebstahl kennt auch Pfarrer Traugott Fehlberg. Mit seiner Kirchgemeinde Königshain-Wiederau bei Rochlitz habe er sich aber vor drei Jahren entschieden, die zwei Dorfkirchen täglich zu öffnen. »Vor verschlossenen Kirchen zu stehen ist etwas ganz Schlimmes«, sagt Fehlberg. »Unsere offenen Kirchen sind hauptsächlich für die eigene Gemeinde«, so der Pfarrer.

Doch auch der neue Pilgerweg »Via Porphyria« locke einige Besucher in die Kirchen, die beide mit großen Plakaten für sich als offene Denkmale werben. »Wir haben bislang nur gute Erfahrungen gemacht«, sagen der Pfarrer und die Kanzleiangestellte Hanna Zeißler, die morgens gegen acht Uhr die Türen öffnen. Abends 19 Uhr schließen Gemeindeglieder wieder zu.

Über die Gemeindegrenzen hinaus habe die offene Kirche aber kaum Nachahmer gefunden. »Bei anderen Pfarreien im Konvent gab es größere Vorbehalte«, erzählt Pfarrer Fehlberg. In Mutzschen werde vielleicht noch einmal über eine Öffnung nachgedacht, sagte Henning Olschowski. »Ich selbst würde eine Öffnung der Kirchen befürworten«, so der Pfarrer. »Denn wozu stehen sie da?«

Uwe Naumann

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