Die Unfreiheit eines Christen

© Stephen Stacey - SXC.HUNun ist es amtlich: Wer zur Kirche gehören will, muss auch Kirchensteuer zahlen. Das entschied vergangene Woche das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Man kann also nicht beides sein: Kirchenmitglied und Kirchensteuerverweigerer. Kritik an der Kirche hat Grenzen für diejenigen, die Mitglieder sind und bleiben wollen.

Im Klartext heißt das: Will man die Süße des Evangeliums aus kirchlicher Hand, muss man die Bitterkeit der Kirchengesetze in Kauf nehmen. Nicht nur Rechte sind einem Kirchenmitglied zu eigen, auch Pflichten – und dabei ist so manche Kröte schlucken. Für die einen ist es die Kirchensteuer, die nicht gemäß den eigenen Vorstellungen verwendet wird.

Für andere, vor allem derzeit in Sachsen, ist es das Pfarrerdienstgesetz, das den eigenen Vorstellungen widerspricht.

In juristischer Trockenheit räumten die Richter mit der Illusion auf, Kirche sei das, was man selber darunter verstünde. Nein, Kirche ist das, was sie ist: Ein nicht nur geistliches Gebilde, sondern eine Institution, in der juristische Regeln gelten.

Die Kirche, ist noch nicht das Reich Gottes. Damit ist die Freiheit eines Christenmenschen begrenzt. Vor allem aber ist die Freiheit eines Bediensteten der Kirche begrenzt, für den noch mehr Gesetze gelten als für einfache Kirchenmitglieder, wie die jüngste Debatte um die Entlassung Lutz Scheuflers zeigt.

Für die Kirche in ihrer weltlichen Gestalt gilt wohl das, was Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière einmal sagte: »Sie können eine Institution nicht ohne Loyalität organisieren. Niemand ist gezwungen, Mitglied einer Regierung oder Fraktion zu sein. Wenn man aber dabei ist, muss man loyal sein, sonst ist man herzlich eingeladen zu gehen.«

Stefan Seidel

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