Sonne spart Geld

Um weniger Energie zu verbrauchen, muss eine Gemeinde nicht alles sanieren – schon wenige Änderungen helfen, bis zu einem Fünftel der Kosten zu senken.


sonneDie Strompreise sollen bis zum Jahr 2020 um bis zu 30 Prozent steigen. Erneuerbare Energien werden die Verbraucher wohl teurer bezahlen müssen, als von der Regierung geplant. Solche Nachrichten können Pfarrer Wolfram Rohloff nicht schrecken. Denn er und seine Kirchgemeinde in Zöblitz haben schon vor Jahren vorgesorgt. Als das Dach des mehr als 200 Jahre alten Pfarrhauses neu gedeckt werden musste, diskutierten die Kirchvorstände über Sonnenkollektoren und Solarenergie. »Zuerst mussten wir die Frage klären, ob es überhaupt genügend Sonnenschein in unserer Erzgebirgsregion gibt, damit das Projekt rentabel sein würde. Aber als ich wusste, dass es funktioniert, habe ich mich dafür eingesetzt«, sagt Pfarrer Rohloff.

Allein die Solaranlage fürs Pfarrhaus hat 70000 Euro gekostet, für die Dachsanierung musste ein Kredit aufgenommen werden. Zwischen 15 000 und 16 000 Kilowattstunden produziert die Anlage nun. Im Jahr 2010 hat die Kirchgemeinde 7400 Euro für die Einspeisung ihres Solarstroms ins Netz eingenommen. Im Jahr davor waren es 5900 Euro – Geld, das die Sonne für die Kreditabzahlung beisteuert. Eine Anzeigentafel informiert alle Gottesdienstbesucher über die Kilowatt-Leistungen und Kohlendioxid-Einsparungen.

Am Zöblitzer Pfarrhaus können Pfarrer Wolfram Rohloff, Kirchner Jürgen Wagner und Kirchenvorstand Ingolf Flath (v. l.) an der Zählertafel ablesen, wie viel sauberen Strom das Solarkraftwerk auf dem Dach erzeugt. (Foto: Jan Görner)

Am Zöblitzer Pfarrhaus können Pfarrer Wolfram Rohloff, Kirchner Jürgen Wagner und Kirchenvorstand Ingolf Flath (v. l.) an der Zählertafel ablesen, wie viel sauberen Strom das Solarkraftwerk auf dem Dach erzeugt. (Foto: Jan Görner)

Als nächstes haben die Zöblitzer den Energieverbrauch ihrer Gemeinde im Blick. Ökostrom bezieht diese schon seit Jahren, nun geht es um aktives Einsparen. »Allein die Kirche für einen Gottesdienst zu beheizen, kostet pro Sonntag 100 Euro. Wir suchen eine Energieberatung, die uns zeigt, wo wir konkret ansetzen können«, sagt Wolfram Rohloff. Er wünscht sich einen »offensiveren Umgang der Landeskirche« mit dem Thema.

Erste Anlaufstelle sollte für die Kirchgemeinden der Umweltbeauftragte der Landeskirche sein, empfiehlt Carmen Kuhn, Referentin des Grundstücks- und Baudezernats der Landeskirche. Die Kosten für Energieberatungen werden zu 75 Prozent von der sächsischen Aufbaubank übernommen. »Wir versuchen, die Kirchgemeinden möglichst gut zu beraten und bei Spezialfragen auch externe Planer hinzuzuziehen«, sagt Carmen Kuhn.

Sie weiß, dass in vielen kirchlichen Gebäuden Heizungen marode sind und Geld überall knapp ist. Auch stünde bei vielen Gemeinden Klimaschutz und Energiesparen nicht an oberster Stelle auf der Themenliste. Allerdings würden schon Maßnahmen mit wenig Aufwand helfen, Kohlendioxid einzusparen und Kosten zu senken.

Die Landeskirche hat unlängst 64 Kirchgebäude genau untersucht. Auf der Mängelliste ganz oben stehen alte Heizungen, undichte Fenster und Türen sowie falsch eingestellte Heizkörper. Carmen Kuhns Fazit aus der Studie: »Einfache Verhaltensänderungen und das Abdichten von Türen und Fenstern bringt schon viel.«

Das bestätigt auch der Umweltbeauftragte der sächsischen Landeskirche, Heiko Reinhold. »Erfahrungsgemäß bringt eine Energieberatung schon ohne große Investitionen eine Energiekosteneinsparung von 10 bis 20 Prozent«, sagt er. Konkret rät er dazu, dass in den Kirchgemeinden Verantwortlichkeiten und verbindliche Handlungsanweisungen festgelegt werden sollten und ein Energieberater die Gebäude überprüfen müsste. »Ganz wichtig: die Heizung optimieren, auch das Heizverhalten und die Programmierung prüfen und auch zu wissen, was es kostet, einmal die Kirche zu heizen.«

Dass viele Gemeinden ganz andere Probleme und Strukturdebatten belasten, weiß auch der Umweltbeauftragte Heiko Reinhold. Das Thema spielt anscheinend in den meisten Gemeinden keine Rolle. Es hängt vom Interesse Einzelner ab. Aber dass Energiesparen und Klimaschutz Geld kosten, ist für ihn keine Ausrede. »Es geht auch darum, angesichts steigender Energiepreise langfristig Geld zu sparen. Bei der Aussage ›Alles kostet auch Geld‹ soll man sich einfach mal die Rechnungen von Strom, Gas, Öl der vergangenen Jahre anschauen. Das müsste genügen, um Handlungsdruck zu erzeugen.«

In Zöblitz im Erzgebirge hat die Energiefrage nicht nur die Kirchgemeinde bewegt. Die Kollektoren auf dem Pfarrhaus haben Nachbarn dazu animiert auch über umweltfreundliche Energieerzeugung nachzudenken. 2010 sind Stadtbewohner nachgezogen und haben sich Solar-Anlagen aufs Dach gebaut. »Wir sind als Kirche ja auch Vorbild«, sagt der Zöblitzer Pfarrer Rohloff.

Kathrin König

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