Die therapeutische Kraft des Glaubens


Heile du mich, Herr, so werde ich heil;
hilf du mir, so ist mir geholfen.

Jeremia 17, Vers 14

Die Sehnsucht nach einem heilen Leben ist wohl niemandem fremd. Doch seit Adam und Eva ist die Trennung von Gott in der Welt. Jeremia leidet unter dieser Entfremdung. So bittet er um Hilfe und Heil.

Oberkirchenrat Christian Schönfeld ist Direktor des Diakonischen Werks Sachsen. (Foto: Steffen Giersch)

Oberkirchenrat Christian Schönfeld ist Direktor des Diakonischen Werks Sachsen. (Foto: Steffen Giersch)

Das ist mehr als Heilung von Krankheiten. Das ist die Bitte, in Krankheiten, im Leiden und im Sterben Frieden zu finden. Diese Bitte um Hilfe und Heil hat realistisch alles Fragmentarische unseres Lebens im Blick: Wunden und Verletzungen, die uns nicht zur Ruhe kommen lassen, Verfehlungen und gescheiterte Versuche, die uns zu schaffen machen, Brüche und Irrwege unserer Lebenswege, die viele Fragen hinterlassen. Wie viel solcher Heillosigkeiten schleppen wir mit uns herum? Wie viel solcher Nöte bedrücken uns?

Jeremia geht es nicht um Heilung, sondern um ein Heilwerden. In Gott erkennt er seinen Therapeuten. Woher weiß er das? Wieso glaubt er, dass Gott ihm so hilft? Was auch immer Jeremia darauf antworten würde, er ist bereit, das Bruchstückhafte seines Lebens vor Gott offenzulegen. Seine Hilflosigkeit ist tief, sein Blick radikal, seine Erwartung groß.

Der katholische Theologe Eugen Biser spricht von einer therapeutischen Kraft des Glaubens, die eine »Heilung von Grund auf« bewirkt für »den geängstigten Menschen, der sich in Identitäts- und Existenznot bedrängt erlebt«. Den Anstoß für seine Überlegungen sah er in der bedingungs- und vorbehaltlosen Liebe, die uns Gott in Jesus Christus schenkt. In ihm hat Gott unwiderruflich »Ja« zu uns gesagt. Durch ihn schenkt er uns eine Würde, die niemand nehmen kann und uns unendlich wertvoll macht. Wer dieses Heil in Jesus Christus ergreift, findet Frieden.

Christian Schönfeld

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