Keiner lebt für sich allein

Wochenspruch

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut sei und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.
Micha 6, Vers 8

Reden konnte Micha. Er hatte prophetische Gaben, hielt die Augen offen und nannte beim Namen, was er sah. Das Unrecht seiner Zeit brachte ihn auf die Palme. So mahnte er: Wer das Recht bricht, bricht mit Gott. Und wer mit Gott bricht, verliert seine Zukunft.

Oberkirchenrat Christian Schönfeld ist Direktor des Diakonischen Werks Sachsen. (Foto: Steffen Giersch)

Oberkirchenrat Christian Schönfeld ist Direktor des Diakonischen Werks Sachsen. (Foto: Steffen Giersch)

Seine Fragen und Anklagen bleiben auch heute hochaktuell. Denn letztlich wissen und fühlen wir, was gut ist. Was Micha anscheinend so fordernd sagt, ist genau betrachtet Entlastung.

Was Gott will, ist so einfach: Er will das Gute für uns.

Und so zählt er einzeln auf: »Ihr sollt Gottes Wort halten«, so Luther, wo andere Übersetzer schreiben: ihr sollt »Recht tun«.

Letztlich ist es das Gleiche: Wer Gottes Wort hält, wer nach den zehn Geboten lebt, lebt recht.

»Recht tun« zielt immer auf Besserung, auf Heilung zerbrochener Gemeinschaften.

»Recht tun« bedeutet zugleich, Rechtlosen zu ihrem Recht verhelfen.

Weiter sagt er: »Du sollst Liebe üben«. Man kann auch übersetzen: »Gemeinschaft halten«, oder moderner: »solidarisch leben«. Dahinter steht das Wissen: Keiner lebt für sich allein.

Nur wenn die Menschenwürde des Nächsten bewahrt wird, bleibt unsere Gesellschaft lebenswert. Recht und Güte müssen einander durchdringen, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einander ergänzen. Und letztlich sagt er: Sei »demütig vor deinem Gott«.

Ein Übersetzer umschreibt: Gehe »aufmerksam den Weg mit deinem Gott«. Sei hörfähig, bereit für Gottes Wort, aufgeschlossen, wenn deine Wege durchkreuzt werden.

Bei allen Veränderungen und Neuigkeiten bleibt Martin Niemöllers Frage aktuell: »Was würde Jesus dazu sagen?«

Christian Schönfeld

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