Wann reißt der Himmel auf?


Die Band Silbermond erobert die Herzen und Hitparaden des Landes. Ihre Wurzeln liegen in einem christlichen Musikprojekt in Bautzen – bis heute glauben sie an die Möglichkeiten der Liebe. 

Erfolgreiche Sachsen: Johannes Stolle (28), Stefanie Kloß (27), Andreas Nowak (29) und Thomas Stolle (29) sind die Band Silbermond. (Foto: Daniel Lwowski/Sony Music)

Erfolgreiche Sachsen: Johannes Stolle (28), Stefanie Kloß (27), Andreas Nowak (29) und Thomas Stolle (29) sind die Band Silbermond. (Foto: Daniel Lwowski/Sony Music)

Für Silbermond ist ein Traum wahr geworden: Landauf, landab tritt die Band aus Bautzen in ausverkauften Hallen auf. Drei Millionen CDs hat Silbermond bereits verkauft. Es gibt wohl kaum jemanden, der in den letzten Monaten nicht einmal die einprägsame Liedzeile »Wann reißt der Himmel auf?« geträllert hat.

Mit ihren gefühlvollen Balladen treffen die jungen Sachsen einen Ton, der ankommt. Nicht selten spielen sie das richtige Lied zur richtigen Zeit. Als sie vor drei Jahren sangen »Gib mir’n kleines bisschen Sicherheit / in einer Welt, in der nichts sicher scheint«, zog gerade die Finanzkrise herauf.

Was ist Glück? Auf diese Frage antwortete Sängerin Stefanie Kloß einmal: »Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein« Dieses Glück hatte Silbermond nicht nur einmal. Zunächst waren alle vier Silbermonde 1998 zur richtigen Zeit am gleichen Ort: Nämlich beim Musikprojekt des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) »Ten Sing« in ihrer Heimatstadt Bautzen.

Und als sie vor knapp zehn Jahren ein Konzert auf dem Bautzener Burgplatz gaben, war zufällig auch eine Mitarbeiterin des großen Musikverlags Sony BMG da und beglückte die junge Band mit einem Plattenvertrag. Glück war es wohl auch, dass sich die vier Silbermonde 2002 entschieden, ausschließlich auf Deutsch zu singen. Denn genau das macht sie heute so unverwechselbar. Es sind nicht nur ihre traurig-schönen Melodien, es sind auch ihre tiefsinnigen Texte, die die Menschen lieben.

»Kommst du mit / unter die Oberfläche / Ich zeig’ den Kern von mir / und was ich sonst verstecke / unter der Oberfläche«, heißt es in einem Lied auf ihrem aktuellen Album. Das ist wie ein Programm: Silbermond will nicht nur eine schrille Show bieten. Sie wagen es, den Oberflächlichkeiten zu trotzen und von der Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Angenommensein zu singen. Sie vertrauen einfach auf die Möglichkeiten der Liebe.

Vielleicht ist es Silbermond dabei auch gelungen, ganz unverkrampft und alles andere als weltfremd von Gott zu sprechen, von Gott als der Möglichkeit der Liebe inmitten einer lieblosen Welt; von Gott als der Hoffnung über Leiderfahrungen hinaus.

Wenn Stefanie Kloß auf der neuen Silbermond-Scheibe angesichts des Elends einer Drogenabhängigen geradezu flehend singt: »Wann reisst der Himmel auf?«, dann klingt das wie ein Gebet, wie das altehrwürdige »O Heiland reiß’ die Himmel auf«.

Wenn das kleine und das große Glück als »Himmelsöffnung« verstanden wird, dann ist die alte Vorstellung nicht fern, dass etwas »vom Himmel hoch« herunterkommt und das Leben hell macht.

Das Glück trägt bei Silbermond menschliche Namen. Und ist doch auch ein Fingerzeig auf etwas Größeres. »Wir waren unendlich«, heißt es in einem Lied, das die tiefe Übereinstimmung zweier Menschen beschreibt.

Dass es den vier erfolgreichen Sachsen durchaus ernst ist mit der Liebe, zeigt nicht nur die seit zwei Jahren andauernde Liebesbeziehung zwischen Sängerin Stefanie und Gitarrist Thomas. Unermüdlich setzt sich die Band auch für soziale Hilfsprojekte wie »Brot für die Welt« ein.

Wenn sie auf ihrer aktuellen Tournee unbekannte Bands als Vorbands auftreten lassen, dann beweisen sie eine im Musikgeschäft ungewöhnliche Solidarität. Sie wissen: Das Glück fällt nicht vom Himmel. Manchmal braucht es Menschen, die es herbeiführen.

Stefan Seidel

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]