Mut und Fantasie in der Friedensarbeit


Über die Ökumenische Friedensdekade und das Engagement zum Schutz der Menschenwürde sprach Uwe Naumann mit dem neuen Vorsitzenden der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK), Dr. Christoph Münchow aus Radebeul.

Christoph Münchow war bis 2011 Oberlandeskirchenrat in Sachsen. (Foto: Steffen Giersch)

Christoph Münchow war bis 2011 Oberlandeskirchenrat in Sachsen. (Foto: Steffen Giersch)

Der Titel der Ökumenischen Friedensdekade lautet »Mutig für Menschenwürde«. Ist das nicht etwas unkonkret?
Münchow:
Jeder Mensch ist zu Gottes Ebenbild geschaffen und hat eine gottgegebene Würde. Die Würde des Menschen ist unantastbar, sagt das Grundgesetz. Dennoch wird sie weltweit und auch bei uns konkret verletzt und missachtet. Das erfordert konkretes Handeln.

Das Thema der Ökumenischen Friedensdekade 2012 entstand im Zusammenhang mit der Enttarnung der Zwickauer Terrorzelle im November 2011. Wie steht es seither um den Schutz der Menschenwürde?
Münchow:
In den Medien werden Ermittlungspannen diskutiert, nicht die Wurzel des Übels. Es ist kein Frieden in unserer Gesellschaft, wenn Ausländer in den Städten gejagt werden oder sich abends nicht mehr auf die Straße trauen. Ich bin entsetzt, dass ein Rabbiner auf offener Straße zusammengeschlagen wurde. Rassistisches und antisemitisches Gedankengut greifen verdeckt oder offen in der Mitte unserer Gesellschaft um sich. Viele schauen weg, wenn Menschen angepöbelt werden oder die Menschenwürde mit Füßen getreten wird.

Wie mutig müssen Christen sein, um sich für Menschenwürde einzusetzen?
Münchow:
Es verlangt Mut, im Freundeskreis oder auf Arbeit rassistischen Parolen entgegenzutreten. Mut ist nötig, um Gesicht und Solidarität zu zeigen, um den Aufmärschen mit ausländerfeindlichen Parolen jetzt sogar vor Asylbewerberheimen friedlich entgegenzutreten und mit Fantasie den Wunsch zum Zusammenleben in Frieden zu demonstrieren. Dazu gehören auch der faire Dialog und die Begegnung mit Menschen anderer Religionen.

Was tun Sie als Vorsitzender der EAK für Menschenwürde?
Münchow:
Zur Würde des Menschen gehört, dass sein Gewissen respektiert wird und Gewissensentscheidungen geschützt sind. Nach dem Aussetzen der Wehrpflicht ist die Beratung in Fragen der Kriegsdienstverweigerung von Soldaten und Soldatinnen im nationalen Rahmen weiterhin notwendig, auch international im Blick auf Länder, in denen Kriegsdienstverweigerung bestraft wird. Gewissensbildung, Friedenserziehung und die friedenspolitische Diskussion müssen im Raum der Kirche als ein Beitrag zum Weltfrieden intensiviert werden. Das soll auch bei dieser Friedens­dekade geschehen.

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