Das Richten dürfen wir getrost Christus überlassen

Bichara

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.
2. Korinther 5, Vers 10

In Gottes Gericht, vor den Richterstuhl Christi zu müssen, klingt erstmal beängstigend. Ich stolpere beim Lesen darüber, dass Paulus diesen Ausblick so positiv sieht. Wer freut sich denn darauf, vor Gericht zu stehen?

Doch, wenn ich es mir genau überlege, dann ist es gut, dass wir alle einmal vor Christus als unserem Richter stehen und dort offenbar werden. Keiner wird übersehen, jede wird durch und durch angesehen und besehen. Es ist gerecht und gut, dass es alle ausnahmslos trifft.

Wenn mich scheinbar perfekte Menschen stark kritisieren und ich zu sehr auf meine Fehler und Unzulänglichkeiten sehe, dann hilft dieses Pauluswort. Alle müssen sich verantworten – nicht nur ich. Aber helfen kann mir der Vers auch, wenn ich selbst wenig liebevoll oder zu kritisch über andere urteile. Alle müssen sich verantworten – auch ich.

Frauke Fähndrich ist Pfarrerin der Kirchgemeinde Waldheim.

Frauke Fähndrich ist Pfarrerin der Kirchgemeinde Waldheim.

Ich soll weder mit mir noch mit meinem Gegenüber unbarmherzig ins Gericht gehen. Das Richten darf ich getrost Christus überlassen. Sein Gericht ist von entscheidend anderer Qualität. Er spricht Recht. Er bringt die Dinge zurecht. Und zwar so, wie es kein weltliches Gericht je könnte, nämlich für alle Beteiligten. Christus ist dabei Richter, Ankläger und Verteidiger in einer Person.

Christi Gericht richtet und es richtet den Einzelnen und die Einzelne auf. Es rückt alles und alle in das rechte himmlische Licht. Am Ende wird es eine objektive, endgültige Bewertung unseres Lebens, unserer Person geben. Sie wird zweifelsfrei und kompetent sein. Aber sie wird auch liebevoll und gnädig sein.

Strahlenweise gelingt es in unserem Leben immer mal wieder, dieses himmlische Licht auf unser gemeinsames Miteinander leuchten zu lassen. Dies ist allerdings Ansichtssache.

Frauke Fähndrich

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