Synode: Diesmal kein Streichkonzert

Über 30 Kantorinnen und Kantoren setzen bei der Tagung der Synode ein Zeichen für bessere Bedingungen für die Kirchenmusik. (Foto: Steffen Giersch)

Über 30 Kantorinnen und Kantoren setzen bei der Tagung der Synode ein Zeichen für bessere Bedingungen für die Kirchenmusik. (Foto: Steffen Giersch)


Auch wenn es um 182 Millionen Euro ging bei der sächsischen Landessynode: Manche Antworten sind mit Geld nicht zu bezahlen. Zum Beispiel die auf die Frage, wie eine christliche Haltung zur Homosexualität aussehen kann. Der Streit darüber schwelt auch auf der Synode weiter. Die Sorgen der Kirchenmusik und das Abendmahl mit Kindern stehen daneben fast im Schatten. Da kann auch ein solider Haushalt kein wahres Ruhekissen sein.
 

Mehr Demut im Pfarrhaus-Streit

EVLKSAm Anfang standen offene Worte. »Ich bin noch nie in meinem Pfarrerleben so massiv und verletzend kritisiert worden«, sagte Landesbischof Jochen Bohl in seinem Bericht vor der Synode über die Debatte um die Öffnung von Pfarrhäusern für homosexuelle Paare. »Die letzten Monate waren schmerzhaft, aber auch notwendig. Manches kann eben nur durch Konflikte geklärt werden, und das ist auch im Gottesreich so.«

Bohl warb für einen demütigen Umgang miteinander. »Jesus warnte am Ende der Bergpredigt davor zu übersehen, dass keiner von uns einen ungetrübten Blick hat.« Er betonte zugleich, dass Gott den Menschen in der Bibel immer wieder auch anders als erwartet gegenüber trete. »Je länger ich mit der Heiligen Schrift lebe, desto größer wird das Staunen darüber, dass sie mir immer wieder überraschende Impulse gibt. Immer wieder entdecke ich Fremdes und Überraschendes.«

Zu der Einschätzung von Homosexualität als Tatsünde sagte der Bischof: »Wir müssen unbedingt hören, dass homosexuelle Glieder unserer Kirche davon sprechen, dass es sich um eine Prägung handelt, die nicht vom Willen zu beeinflussen ist. Wenn das so ist, wird man zu einer anderen Auffassung kommen.«
Im Bericht der Kirchenleitung plädierte Oberlandeskirchenrat Peter Meis dafür, vor einem theologischen Gespräch zunächst über »entstandene Verletzungen, empfundene Vorwürfe und Missverständnisse« sowie Hemmungen, Sorgen und Ängste »im Blick auf die Fremdheit des Phänomens der Homosexualität« zu reden.

Der Sächsischen Bekenntnis-Initiative nahestehende Synodale fragten kritisch an, ob dieser Gesprächs­prozess nicht besser vor der Entscheidung der Kirchenleitung zur Öffnung für homosexuelle Paare hätte stehen müssen.  

Mehr Geld für Kirchenmusik

EVLKSBisher stauten sich die Probleme der Kirchenmusik – nun folgten gleich sieben Lösungsvorschläge auf einen Streich. Über 30 Kantorinnen und Kantoren waren eigens angereist, um den Forderungen des vor anderthalb Jahren von der Synode eingerichteten befristeten Ausschusses für Kirchenmusik Nachdruck zu verleihen.

»Der erste und dringlichste Vorschlag ist die Schaffung einer Arbeitsstelle für Kirchenmusik in der Landeskirche«, sagte der Ausschussvorsitzende, Leipzigs Superintendent Martin Henker. Sie soll die kirchenmusikalische Arbeit koordinieren und weiterentwickeln. Die bereits bestehenden Stellen für Jugendmusik und Orgelwesen sowie die Posaunenmission sollen unter ihrem Dach integriert werden. Zudem soll eine Referentenstelle für Singen eingerichtet und die Stelle des Landeskirchenmusikdirektors auf 100 Prozent verdoppelt werden. Kostenpunkt: Fast 100.000 Euro pro Jahr.

Angesichts gravierender Kürzungen in letzter Zeit stimmten zwölf Synodale dagegen. »Wo wollen wir es denn wegnehmen?«, fragte der Annaberger Bezirkskatechet Klaus Mehlhorn. »Die Gemeindepädagogen müssen gleich behandelt werden.« Schließlich werden die zunächst für 2013 nötigen 50.000 Euro aus den Rücklagen entnommen.

Ebenfalls beschlossen wurde die Prüfung eines Orgelfonds, aus dem Gemeinden ohne eigenen Kantor Organistendienste bezahlen können. Der Präsident des Landeskirchenamts Johannes Kimme schätzte die Kosten auf über 300.000 Euro, die aus den Zuschüssen für die Kirchgemeinden entnommen werden müssten. Die Synode beschloss weiterhin, sich auch in Zukunft mit einem Ausschuss der Kirchenmusik widmen zu wollen. Zudem soll es für Kantoren am Beginn ihres Berufslebens eine feierliche Beauftragung im Gottesdienst geben.
 

Kein Abendmahl für alle Kinder

EVLKSBis zum kommenden Frühjahr will die Synode einen Beschluss zum Abendmahl mit Kindern fassen – denn die Kirchgemeinden haben eine geteilte Meinung dazu. Die Landeskirche hatte 2011 die Gemeinden aufgefordert, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Bisher ist der Umgang mit Kindern beim Abendmahl in einem Kirchengesetz von 1983 geregelt. Danach können Kirchenvorstände beschließen, Kinder nach einer Unterweisung zum Abendmahl zuzulassen – oder es zu lassen. Viele Gemeinden hatten die Synode um eine einheitliche Regelung gebeten. Diese hatte zur Diskussion gestellt, die Feier des Abendmahls allen getauften Kindern im Vorschulalter erstmals anzubieten.

Insgesamt habe es dazu 219 Rückmeldungen gegeben, sagte Ulf Liedke, Vorsitzender des Theologischen Ausschusses. Unter den Antworten waren sowohl Befürworter der vorgeschlagenen Regelung als auch Stimmen, die das Erst­abendmahl nur in Verbindung mit der Konfirmation sehen wollen. Es seien aber auch Fragen aufgetaucht: Sei die Ausspendung von alkoholfreiem Wein eine Alternative zum Traubensaft? Könnten Kinder auch ohne ihre Eltern in einer anderen Kirchgemeinde am Abendmahl teilnehmen? Wie könne die Konfirmation so gestaltet werden, dass statt des Erstabendmahls der Bekenntnis­charakter und die Taufbestätigung mehr in den Mittelpunkt rücken?

Landesbischof Jochen Bohl stellte drei Dinge klar: Abendmahl für Kinder sei nur nach gründlicher Unterweisung möglich. Wer nicht getauft ist, dürfe auch nicht zum Abendmahl gehen. »Andernfalls stellen wir uns außerhalb des ökumenischen Konsenses.« Auch müsse das Abendmahl immer, auch für Kinder, mit Brot und Wein gefeiert werden. Die Notverordnung mit Traubensaft gebe es nur um der Suchtkranken willen.
 

Gut gefüllter Sparstrumpf

EVLKSMit drei Millionen Euro mehr als in diesem Jahr plant die Landeskirche ihren Haushalt für 2013. Das insgesamt 182 Millionen Euro schwere Paket hat die Synode nun beschlossen. An die Kirchgemeinden und Kirchenbezirke werden 134 Millionen Euro statt in diesem Jahr 128 Millionen Euro verteilt. Denn anders als bisher spart die Landeskirche nun erstmals nicht mehr Millionen pro Jahr für die Renten ihrer Beamten an. 51 Millionen Euro sind so im Sparstrumpf gelandet – 41 Millionen davon sollen im Januar an die Evangelische Ruhegehaltskasse überwiesen werden.

Damit will die Landeskirche die in Zukunft steigenden Rentenzahlungen an ihre Beamten absichern und die Kosten minimieren. Doch bevor ab 2017 die Entlastung spürbar werde, müssten auch die Gemeinden mehr für die Pensionen zahlen, so Finanzdezernent Reinhard Kersten. Die erhöhten Zuschüsse der Landeskirche sollen dabei helfen.

Bei der Kirchensteuer erwartet sie nach vorsichtigen Prognosen im nächsten Jahr 88,2 Millionen Euro Kirchensteuereinnahmen – 0,8 Prozent mehr als 2012. Auch die Leistungen des Freistaats Sachsen steigern sich auf 19,6 Millionen Euro. Der EKD-Finanzausgleich sinkt indes leicht auf 47,1 Millionen Euro. Auch das Kirchgeld sinkt seit Jahren.

Die Gehälter jedoch steigen stetig. Auch für die Ausbildung von Vikaren, den Landeskirchentag in Leipzig, den Evangelischen Entwicklungsdienst, Familienrüstzeiten und das Dresdner Haus der Kirche wird deutlich mehr Geld ausgegeben. Das Landeskirchenamt betont, dass im Haushalt noch immer ein Defizit von 2,75 Millionen Euro bestehe, das mit Rücklagen beglichen werde. Deshalb sind bereits Kürzungen beschlossen worden.

Andreas Roth + Christine Reuther

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