Advent ohne Ausbeutung

Alfred-Borchard
 Dass der Rauch einer Fabrik im fernen Bangladesch etwas mit den süßen Düften unserer Adventseinkäufe zu tun haben könnte, wollen wir lieber nicht wissen: Mindestens 112 Arbeiterinnen starben in dem Rauch am Wochenende, nachdem sie zu Hungerlöhnen Sachen für unser Weihnachtsgeschäft genäht hatten. Es fehlte an Notausgängen und am Brandschutz.

Wir freuen uns lieber an günstigen Preisen. Ein kurz aufflackerndes Mitgefühl gibt es gratis dazu.

Der Rauch aus der Textilfabrik von Savar ist Teil des Nebels einer Weltwirtschaft, die von globaler Arbeitsteilung lebt – und auch die Moral schön verteilt. Schön ungleich. Und schön undurchsichtig, damit sich keiner daran stören muss. Große Marken aus dem reichen Norden geben die Aufträge an Unternehmer, die wieder an Unter-Unternehmer, die wieder an Unter-Unter-Unternehmer. Immer bleibt ein Stück Gewinn hängen. Und immer löst sich die Verantwortlichkeit für die Arbeitsbedingungen ein Stückchen mehr auf. Wer will noch die letzte kleine Fabrik in Pakistan kontrollieren, fragen die Konzerne. Dort erstickten übrigens erst im September mehr als 300 Arbeiterinnen.

Es wäre nicht rührselig, sondern nur ehrlich, wenn sich die Erinnerung daran in unsere Adventsdüfte mischen würde.

Die Dinge lassen sich ja ändern.

Das beweist der boomende Bio-Lebensmittelmarkt. Jetzt muss der kritische Käufer nur noch bei Kleidung, Elektronik und Spielsachen genauer hinsehen. Im Laden nachfragen, welche Produkte ein Siegel für faire Herstellung tragen. Und sich nicht entmutigen lassen. Im Internet gibt es bereits erste Händler mit solchen Angeboten.

Gott will den Rauch der Ungerechtigkeit durchbrechen, das wusste die mit Jesus schwangere Maria. Sie wusste: Auch das ist Advent.

Andreas Roth

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