Anspruch und Härte

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aus DER SONNTAG 50/2012, Seite 8

aus DER SONNTAG 50/2012, Seite 8

Das ist hart. Da wird ein Lehrer des Evangelischen Schulzentrums Leipzig in seiner Polemik auf einer Internetseite persönlich – und kassiert die Kündigung. Und dies, obwohl es nicht im Unterricht geschah. Der Mann handelte als Privatperson, wurde aber disziplinarisch belangt. Eine Verknüpfung von beruflicher und privater Sphäre, über die sich selbst mancher Beamte wundern dürfte, obgleich bei denen Loyalität Gebot ist.

Späht eine kirchliche Gesinnungspolizei hinter Wohnungstüren? Wird hier die Meinungsfreiheit unzulässig eingeschränkt?

Sehen wir näher hin: Der Lehrer hat sich nicht nur im Ton vergriffen, er hat eine Person beleidigt. Ein Grundsatz demokratischer Streitkultur aber sollte bleiben – wenn es denn sein muss, mit aller Schärfe – die Meinung eines anderen anzugreifen, nicht jedoch ihn als Person.

Darin steckt ein christliches Prinzip: Die Tat kritisiere und verdamme, den Täter lass unangetastet. Dies sollte jeder Lehrer beherzigen, nicht nur der einer evangelischen Schule. Wie sonst könnte er seine Schüler glaubwürdig vor einer Verrohung des Umgangstons gerade im Internet warnen?

Dass an einer kirchlichen Einrichtung strengere Maßstäbe für zwischenmenschliches Verhalten auch im Privatleben von Mitarbeitern gelten, ist legitim, wenn der christliche Anspruch mehr sein soll als abstrakte Behauptung.

Der Lehrer gehörte angezählt. Mit einer deutlichen Form der Verwarnung.

Allerdings war dies wohl nicht der einzige Vorfall. Abmahnungen hatte er bei anderen Gelegenheiten schon zuvor kassiert. Kündigung allein für die Verbalattacke, das wäre überzogene Härte gewesen. Hier jedoch war es offenbar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Tomas Gärtner

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