Vom Frieden auf Erden

FriedenslichtWir sind Friedensnobelpreis-Träger. Nicht nur wir, sondern alle rund 500 Millionen Einwohner der Europäischen Union. Und das mitten in einer Schuldenkrise, die das Miteinander empfindlich stört und das Zeug hat, das Gebilde Europäische Union zu sprengen. Dass das Nobel-Komitee in diesem Moment die Auszeichnung vergibt, ist wie ein vorgehaltener Spiegel: »Europa kann seine Probleme nur in Einigkeit lösen«, sagte Thorbjörn Jagland vom Preiskomitee in Oslo.

Und das meint er sicher nicht nur mit Blick auf die Euro-Krise. Wir leben seit Jahrzehnten in Frieden. Das ist nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts ein Geschenk.

Junge Menschen versuchen, dieses Geschenk seit über 20 Jahren alljährlich im Advent weiterzugeben: Pfadfinder holen aus der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem ein Friedenslicht, das mit Aussendungsfeiern von Land zu Land und dann von Stadt zu Stadt getragen wird. Nach dem 3. Advent wird das Licht in Deutschland erwartet.

»Mit Frieden gewinnen alle« heißt das Motto in diesem Jahr. Und auch hier stand am Anfang die Idee, dass Frieden auf der Welt nur als gemeinsame Aufgabe erreicht werden kann.

Aber auch wenn wir hier auf ein friedliches Weihnachtsfest blicken können, ist das Land, aus dem das Friedenslicht kommt, noch immer von einem wirklichen Frieden weit entfernt. Und auch wenn zwischen uns und unseren Nachbarn keine Waffen mehr zum Einsatz kommen, ist Deutschland gerade wieder dabei, Waffensysteme und Soldaten ins Ausland zu schicken.

So können wir uns nicht friedlich zurücklehnen und die Adventszeit als Friedensnobelpreis-Träger genießen. Es bleibt noch viel zu tun, bis wahr wird, wovon wir Weihnachten hören und singen – nämlich vom »Frieden auf Erden«.

Christine Reuther

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