Das Schöne im Alltag festhalten

Ingeborg Reinhold findet immer etwas zum Schreiben. Ihr neuestes Buch »Kleine Weihnachtswunder« erzählt 14 Weihnachsgeschichten, eine finden Sie auf Seite 13 der SONNTAG-Weihnachtsausgabe. (Foto: Andreas Seidel)

Ingeborg Reinhold findet immer etwas zum Schreiben. Ihr neuestes Buch »Kleine Weihnachtswunder« erzählt 14 Weihnachsgeschichten, eine finden Sie auf Seite 13 der SONNTAG-Weihnachtsausgabe. (Foto: Andreas Seidel)

Seit ihrer Kindheit schreibt die Chemnitzerin Ingeborg Reinhold Geschichten.
 

Kommt man auf Ingeborg Reinholds (61) Hobbys zu sprechen, dann zählt sie eine ganze Reihe von Interessen auf: »Basteln, Sticken, Lesen, Singen, Rätseln – und Fußballgucken.« Doch gleich nach dem Fußball kommt das Schreiben. Schon als Kind war das so. »Schulaufsätze waren das Schönste, was es gab«, sagt sie. »Wenn alle anderen Mitschüler gestöhnt haben, war ich begeistert.«

Von dieser Begeisterung bekam auch ihr späterer Chef etwas mit. Da war sie bereits der Schule entwachsen und arbeitete als Buchhändlerin in der damaligen Chemnitzer Gemeinschaftsbuchhandlung, heute Alpha-Buchhandlung. In einer Buchhandlung gibt es meist einen direkten Draht zu den Verlagen. Und so reichte ihr Chef eine Geschichte, die sie eigentlich für eine Kollegin zum Geburtstag geschrieben hatte, an die Evangelische Verlagsanstalt weiter. Dort erschien diese 1975 in dem von Paul Toaspern herausgegebenen Erzählungsband »Freude«.

Freude ist auch der Antrieb für ihr Schreiben geblieben: »Ich würde auch schreiben, wenn es nicht veröffentlicht würde«, sagt sie. Doch davon kann keine Rede sein. Die Reihe der Bücher, zu denen sie Geschichten beigetragen hat, ist schon recht lang. Anfangs waren es Kindergeschichten und -lieder. Heute sind es meist Alltagserlebnisse. Wie die kleinen Hefte, die nach der Wende im Brunnen-Verlag erschienen. Eines mit dem Titel »Danke für jedes kleine Glück« habe sogar drei Auflagen erlebt, erzählt die Autorin stolz.

Und so ist in diesen Tagen unter den Büchern, die sie noch heute in der Alpha-Buchhandlung verkauft, sicher auch ihr eigenes. Denn »Kleine Weihnachtswunder« ist das erste Buch, das nur ihre Geschichten enthält.

Dafür hatte sie sich im vergangenen Jahr einen Ferienaufenthalt im Erzgebirge von ihrer Familie gewünscht – und sich eine Woche in eine kleine Pension zurückgezogen zum Schreiben. Sie hat wahre Begebenheiten erzählt, es sind aber auch fiktive Geschichten darunter. Manchmal gab ein Erlebnis den Anstoß, dieses weiter auszuspinnen. »Irgend etwas Gehörtes oder Erlebtes mache ich dann zur Geschichte«, sagt sie. Und so kommen in den Geschichten die Nachbarn im Haus genauso vor, wie die erzgebirgischen Bräuche der Kurrendesänger und der Christmetten.

Für eine Auszeit zum Schreiben ist nicht immer Gelegenheit. So liegen in der Wohnung immer Zettel und Stift griffbereit, um etwas Aufgeschnapptes oder eine Idee aufzuschreiben. »Es ist mein Anliegen, dass man das Schöne im Alltäglichen sieht«, sagt sie.

Und so hat sie schon ein neues Buch geplant: »Glück ist gar nicht so selten« ist der Arbeitstitel. Sie selbst lässt sich dann überraschen, ob es im Verlag Anklang findet. Vorher darf auch ihr Mann es nicht lesen. Da ist sie eisern. Er nimmt es gelassen und freut sich jedes Mal über das Ergebnis.

Christine Reuther

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