Braunkohle: Flucht nach vorn


Der Kirchenkurator von Pödelwitz hat den vom Tagebau bedrohten Ort schon verlassen.
 
Eckhard Pönisch hat mit seiner Familie Pödelwitz verlassen und wohnt jetzt in Groitzsch. Seine Tochter Friederike hat es nun kürzer zur Schule. (Foto: Jan Adler)

Eckhard Pönisch hat mit seiner Familie Pödelwitz verlassen und wohnt jetzt in Groitzsch. Seine Tochter Friederike hat es nun kürzer zur Schule. (Foto: Jan Adler)

Sie haben gekämpft, als noch niemand so recht kämpfte, haben gezweifelt, als andere noch hofften und sind gegangen, als andere noch blieben. Familie Pönisch hat einen Schlussstrich gezogen unter 14 Jahre Pödelwitz. Zusammen mit ihren vier Kindern haben Eckhard Pönisch und seine Frau Jana ihr ausgebautes Haus und den kleinen Ort bei Groitzsch verlassen. Denn seit einem Monat steht vertraglich fest, dass der Ort für die Braunkohleförderung abgebaggert werden soll.

Drei Jahre hatte die Familie zusammen mit einer weiteren an der alten Schule in Pödelwitz gebaut. 1997 konnten sie einziehen und glaubten an eine dörfliche Idylle, die es mit den rund 130 Einwohnern nur kurze Zeit gab. Die Pläne des Braunkohleförderers Mibrag brachten das Dorf aus dem Gleichgewicht, denn der Tagebau Vereinigtes Schleenhain sollte Pödelwitz von der Außenwelt nahezu abschneiden, letztlich sogar verschlingen. Nur bei einem einmütigen Protest der Dorfbewohner hätte die Mibrag davon Abstand genommen, ließ das Unternehmen wissen.

Eckhard Pönisch, der seit 2006 auch Kirchenkurator ist und sich ehrenamtlich um sein über 700 Jahre altes Nachbarhaus kümmert, versuchte Verwaltung und Politik gegen die Braunkohle-Pläne zu mobilisieren. Als er Mitte 2011 in die Kirche einlud und die Öffentlichkeit über die Situation informierte, habe seine Entscheidung aber schon festgestanden: »Ich wusste, dass wir hier nicht wohnen bleiben wollten«, sagt der Ingenieur für Versorgungstechnik. Der Ort habe keine Zukunft mehr.

Seine Heimat sieht der 46-Jährige aber durch die Abbaggerung von Pödelwitz nicht bedroht. »Ich habe 14 Jahre hier gewohnt, das ist für mich schon Heimat. Doch sie endet für mich nicht am Gartenzaun«, sagt Pönisch, der nun in Groitzsch in einem Einfamilienhaus wohnt. »Die Kinder haben es jetzt kürzer zur Schule und wir wohnen hier ruhiger«, zählt er Vorteile nach dem Umzug auf. Eine Abschiedszeremonie habe es nicht gegeben.

Manchmal ist Eckhard Pönisch noch in Pödelwitz. »Ich habe nicht die Absicht, das Amt als Kirchenkurator niederzulegen«, sagt er. Das Ensemble aus Kirche und Friedhof möchte er gern bewahren, bis wirklich feststeht, dass abgebaggert werden muss. Bis 2018 sollen die Einwohner den Ort verlassen. Die Mibrag hat mit der Kirchgemeinde noch keinen Kontakt aufgenommen.

Uwe Naumann

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