Das Gott und das Heilige

Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. (Foto: Claus Michelfelder)

Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. (Foto: Claus Michelfelder)

Gott irritiert. Die ganze Bibel erzählt davon. Nun hat er ausgerechnet Kristina Schröder dafür erwählt. Eine junge CDU-Familienministerin, die bisher eher durch Kritik am Lila-Latzhosen-Feminismus aufgefallen ist, lässt er kurz vor Weihnachten in einem Interview einen knackigen Frontalangriff auf ein männliches Gottesbild fahren: »Man könnte auch sagen: das liebe Gott.«

Damit brach ein veritabler Streit über unsere Gottesbilder vom Zaun. Ausgerechnet unter Politikern und Journalisten, wo man solches wie bei den Hirten vor Bethlehem weiland nicht unbedingt vermutet. Es war ja auch wieder nötig. Was bis dahin in der Öffentlichkeit über Weihnachten verlautete, pendelte zwischen gut gemeinten Appellen und Spekulationen über den Gesundheitszustand des Papstes. Es fehlte ein Wort über den brennenden Dornbusch im Herzen des Glaubens: das Heilige.

Kristina Schröder hat es geliefert. »Das Gott« klingt leicht lächerlich, wenig anheimelnd sowieso, liegt quer auf der Glaubensseele. Das Christkind ist uns lieber. Doch Gott, und das ist der Skandal des Christentums, ist alles zusammen: Das arme Menschenkind, der Gekreuzigte und der Heilige als Schöpfer aller Dinge, der fordert, sich kein Bild von ihm zu machen (5. Mose 4, 16–18). Der den Menschen als sein Ebenbild schuf, als Mann – und als Frau.

Gott bleibt uns immer nah und fremd zugleich, klein in unseren Herzen und alle unsere Vorstellungen sprengend groß. Kurz: heilig. Wer Gott in ein Bild sperren will, muss mit Widerstand rechnen.

Mit seinem – oder mit ihrem Widerstand?

Ach Gott, du bist auch größer als jedes grammatische Geschlecht. Und Sinn für Ironie, das beweist die »Das-Gott-Debatte«, hast Du auch.

Andreas Roth

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