Damit das Wort Gottes in den Alltag eingeht

Kriss_Szkurlatowski

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.
Johannes 1, Vers 14

Tobias Bilz ist Landes­jugendpfarrer von Sachsen. (Foto: Steffen Giersch)

Tobias Bilz ist Landes­jugendpfarrer von Sachsen. (Foto: Steffen Giersch)

Ich gehe einmal davon aus, dass Sie zu Weihnachten in der Kirche waren. Ist der Pfarrer zur Predigt auf die Kanzel gestiegen? Bestimmt, denn zu Weihnachten ist die Kirche voll. Der Pfarrer möchte gesehen und gehört werden und die Leute wollen ihn natürlich gut verstehen. Möglicherweise geht der Pfarrer auch sonst auf die Kanzel. Sie ist einfach ein guter Platz für die Predigt.

Unsere Evangelisch-Lutherische Kirche ist eine Kirche des Wortes, und der erhöhte Platz unterstreicht in jedem Falle die Autorität der Bibel.

Ich habe im Prinzip nichts dagegen und predige auch gern von einer Kanzel. Manchmal aber fühle ich mich dabei unbehaglich. Die Leute sind so weit weg, ich kann ihre Mimik nicht richtig wahrnehmen und fühle mich da oben auch ein wenig einsam.

Ich glaube an einen redenden Gott. Zu Weihnachten aber kommt es mir so vor, als ob Gott beschlossen hätte, uns deutlich näher zu kommen. Es hat ihn zu uns Menschen hingezogen.

Nein, das ist zu schwach: Wohnen will er bei uns und deshalb unsere Gestalt annehmen.

So wird er »Fleisch«, das heißt: ein Mensch von Fleisch und Blut. Menschliche Natur nimmt er an, eine irdische Herkunft bekommt er, jetzt gehört er richtig dazu.

Manche sagen, unsere Kirche sei eine »Weihnachtskirche«, weil dieses Fest ganz eindeutig auf Platz eins steht. Mir gefällt das. Es spornt mich an, das Wort um jeden Preis mit dem Leben zu verknüpfen, egal ob von der Kanzel oder mitten unter den Menschen.

Erst wenn das Wort Gottes in unseren Alltag eingegangen ist, hat es seinen Sinn erfüllt.

Tobias Bilz

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